Bulgarianders

August 7, 2009

Umweltschutz in Bulgarien – Zeitenwende?

Gespeichert unter: Allgemein, Politik & Geschichte — jmseuss @ 10:14

Bulgarien ist neben Spanien das Land mit der größten Artenvielfalt in Europa. Schon gewusst? Mir selber war es bis vor kurzer Zeit neu und umso mehr staunte ich. Woran das liegt? Vor allem wohl an der kleinräumigen Landwirtschaft und an den vielen brach liegenden Nutzflächen. Die Menschen auf dem Land und in kleineren Städten leben in gewisser Weise, teilweise natürlich auch gezwungenermaßen, noch in „Einklang mit der Natur“, was, so abgedroschen es sich auch anhören mag, ein Segen für die Tier- und Pflanzenwelt des Landes ist.

Andererseits ist seit der Wende in Bulgarien 1989 schlimmes mit der Natur des Landes geschehen und geschieht weiter. Nach der Wende nämlich waren die „bad guys“ schneller als die „Guten“, die sich, auch auf Grund ihres Alters erst etablieren mussten. Das heißt: während findige Geschäftsleute sofort erkannten, dass Immobilien Kapital und schnelles Geld bedeuten und begannen, die mannigfaltigen Gesetzeslücken für sich zu nutzen, gab es keine entwickelte Zivilgesellschaft. Man muss sich nur vorzustellen versuchen, dass plötzlich hunderte und tausende Bulgaren der intellektuellen Elite nur zwei Möglichkeiten hatten sich zu entscheiden: entweder ein Business zu starten, oder vor dem Nichts zu stehen. Viele standen vor dem Nichts und bis heute hat sich das Land von diesem Wegbrechen nicht erholen können.

Ein zweiter Faktor ist natürlich, dass während dem Kommunismus an vieles gedacht wurde aber nicht an Naturschutz und wenn, dann wäre der Staat verantwortlich gewesen, nicht die zur Unmündigkeit erzogenen Bürger (darüber ließe sich gewiss streiten!).

Erst seit wenigen Jahren wächst eine neue Generation in Bulgarien heran, ich behaupte es sind die Nachkommen der ehemaligen intellektuellen Elite, die sich zutraut etwas für ihr Land zu tun, die sich angewidert abwendet von den Dingen, die politisch und gesellschaftlich in den letzten 20 Jahren ihren Lauf genommen haben.

Die Umweltbewegung, die wir also heute in Bulgarien in ihren Ansätzen erkennen können, ist gleichzeitig eine Jugend- und Protestbewegung. Protest hier gemeint als eine Abwendung vom herrschenden Establishment. Es hat den Umständen entsprechend kurz gedauert und das ist eine freudige Botschaft, andererseits sind 20 Jahre eine lange Zeit Sünden an der Natur eines kleines Landes zu begehen und sie wurden auch begangen. Gesetze wurden offensichtlichst missachtet, riesige Spa Komplexe und Skilifte mitsamt Hotels in geschütztes Naturschutzgebiet gepflanzt ohne Rücksicht auf Verluste und immer die fetten Gewinne im Auge. Und die schienen auch garantiert, bis….ja bis diese sogenannte „Immobilienblase“ auch in Bulgarien ihre Auswirkungen zeigte. In diesem Zusammenhang verweise ich auf meinen Artikel: http://bulgarianders.wordpress.com/2009/01/16/bansko/

Leider muss ich an dieser Stelle einräumen, dass ich diesen Artikel heute nicht mehr so schreiben könnte. Der präzedenzlose Bauboom der letzten fünf Jahre hat aus der beschaulichen Stadt im Rilagebirge eine touristische Katastrophenzone gemacht. Die Entwicklungen in Bansko stellen beinahe alle in den Alpen begangenen Bausünden in den Schatten und die Eingriffe in das Bansko umgebende Biosphärenreservat, lassen sich wohl schwerlich rückgängig machen. Vor allem Russen und Briten dürften sich aber gewaltig über ihre Anlagen in Bansko ärgern, die Preise sind im Fall begriffen und niemand wagt mit Sicherheit zu sagen, wie es weitergehen wird. Es geht um Geld, um viel Geld und deswegen war Bansko auch nicht der Höhepunkt einer kopflosen Ära. In weiten Teilen des Landes wird versucht das Projekt Bansko weiterzutreiben. Wie man so schön sagt, die Kuh melken solange sie noch Milch gibt. Aber etwas hat sich doch geändert….heute gibt es Menschen, die dagegen kämpfen und es werden immer mehr. Sogar traut man sich schon nicht mehr, sie „Spinner“ zu nennen, ihr Einfluss steigt und verdient jede nur Mögliche Unterstützung!

Zum einen sind da die jungen Menschen zu nennen, die, die aus gebildeten Häusern stammen, gleichzeitig aber nicht abgestumpft sind durch die „alles ist doch egal, Bulgarien ist einfach Scheiße“- Philosophie des heutigen Geldbürgertums. Um eine Organisation beim Namen zu nennen: http://forthenature.org/

Zum anderen aber auch alteingesessene Bewohner Bulgariens, die sich gegen einzelne Projekte stemmen, weil diese einen radikalen und dummen Einschnitt in das Leben der lokalen Bevölkerung bedeuten, wie zum Beispiel der geplante Bau (Neubau, was auch immer) des Atomkraftwerkes Belene. Eine Frau, die sich hier mit enormer Kraft und unter Aufwendung von Gefahren für Leib und Seele einsetzt, ist Albena Simeonova, die international bereits mir mehreren Umweltpreisen ausgezeichnet wurde. (laut neuesten Meldungen wird der Bau von Belene gestoppt. Siehe hierzu: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:Energie-RWE-scheitert-mit-Atompl%E4nen/550452.html)

Parteipolitisch ist es schwer in Bulgarien eine Gruppierung mit klar ökologischer Ausrichtung zu finden. Momentan gibt es sogar drei „Grüne“ Parteien, von denen nicht ganz klar ist wofür oder besser für wen sie stehen. Nach Information der österreichischen Grünen, ist eine Zusammenarbeit mit den Bulgarischen zumindest momentan noch zweifelhaft. Die eine wird mit einem kanadischen Konsortium zum Goldabbau, die andere mit einer gleichnamigen großen Versicherung verbunden. Erst die zuletzt gegründete Grüne Partei (vgl.: http://derstandard.at/fs/1246541358217/derStandardat-Interview-Wir-sind-die-politische-Alternative-fuer-denkende-Bulgaren, http://www.zelenite.bg/deutsch) scheint in der Lage und Willens sich als ökologisches Sprachrohr in der bulgarischen Gesellschaft zu etablieren. Doch noch immer ist das ökologische Verständnis in Bulgarien vernachlässigbar, solange es um finanzielle Interessen dreht. Das ist insofern unverständlich, als es dem Land nachhaltige Ressourcen z.B. aus dem Tourismusgeschäft rauben wird. Die momentane Lage ist ganz klar auf Billigst-Tourismus ausgerichtet. Und das ist nicht das, was die Menschen in Bulgarien wollen, das ist sicher nicht das, was dem Land entspricht!

In der Folge werden zwei Interviews nachgereicht, erstens mit der jungen Organisation „for the nature“ und zweitens mit einer persönlichen Bekannten, die sich, obwohl noch sehr jung an Jahren, entschieden hat, den Job zu wechseln, die nun zwar weniger Geld verdient, sich aber dafür, für die Stadt Sofia, um die Einhaltung von Umweltstandarts in der Stadt kümmert.

Juli 6, 2009

Wahl in Bulgarien – haushoher Sieg für Bojko Borissow

Gespeichert unter: Allgemein, Politik & Geschichte — jmseuss @ 2:27

Das offizielle Endergebnis der gestrigen Parlamentswahl in Bulgarien wird erst am 09. Juli bekannt gegeben. Was allerdings heute schon bekannt ist, ist der hohe Wahlsieg der Partei GERB unter Bojko Borissow.

Laut BNR (http://www.bnr.bg/RadioBulgaria/Emission_German/News/B1-0507.htm) konnte seine Partei 39,71% der Wählerstimmen auf sich vereinigen, mit Abstand folgt die “Koalition für Bulgarien” des jetztigen Primierministers Stanishew, mit 17,71%, der damit eine herbe Niederlage einstecken muss, gefolgt von der “Bewegung für Rechte und Freiheiten” der türkischen Minderheit unter Ahmed Dogan. Auch die äußersten Rechten finden ihren Platz im neuen Parlament. So kommt die Partei Ataka auf 9,36% der Stimmen und “Ordnung, Gesetz und Gerechtigkeit” auf 4,36%. Die “Blaue Koalition” unter dem ehemaligen Premier Kostov holt sich lediglich 6,67%.

Die Wahlbeteiligung lag, bei für Bulgarien hohen, 60%. Das dürfte auch geholfen haben, den zuvor stattgefundenen Stimmenkauf zu relativieren.

Sowohl die “Blauen” als auch “Ordnung, Gesetz und Gerechtigkeit” rechnen sich nun gute Chancen aus an der neuen Regierung unter einem neuen Premier Borissow, beteiligt zu sein. Auch die ultrarechte Ataka will von der Gunst der Stunde profitieren und in die Regierungs-Koalition schlüpfen.

Wahlexperten meinen vor allem junge Wählerschichten hätten sich mit der Wahl von GERB für einen Neuanfang entschieden. Mit dem Rechtsruck ist Bulgarien auch Teil eines gesamt europäischen Phänomens, so liest man in der französischen Zeitung “Liberation”: “Eine sozialistische Regierung weniger in Europa!” (http://bruxelles.blogs.liberation.fr/coulisses/2009/07/bulgarie-et-un-gouvernement-socialiste-de-moins-dans-lunion-un-.html)

Borissows dringendste Aufgabe ist nun die Bildung einer tragfähigen Koalition und das Einlösen seiner Wahlversprechen, obwohl wir alle wissen, dass Wahlversprechen immer solche bleiben werden und nur selten zur Umsetzung gedacht sind. Man wird ihn also an seiner Realpolitik messen müssen. Das er sich den Kampf gegen die Korruption aufs verschwitze T-shirt gepinselt hat, ist allerdings eine Bürde, an der er sich sehr wohl wird messen lassen müssen. Um seine Arbeit beurteilen zu können, wird man wohl einige Monate verstreichen lassen müssen.

Diese Zeit haben die Sozialisten sicher nicht. Sie müssen sich nun neu erfinden, sie müssen eine Antwort darauf finden, warum sie dermaßen abgestraft werden konnten. Ivan Krastev, Politikwissenschaftler und Vorstandsvorsitzender der “Center for Liberal Stragtegies” in Sofia meint dazu in Standart News: It is high time for the political parties in Bulgaria to re-read the election results and grasp that these results are a mirror of the results of their own rule, not the campaigning of the last 30 days before the elections.” (http://paper.standartnews.com/en/article.php?d=2009-07-06&article=28015).

Für Kommentare und weiterreichende Analysen siehe: http://www.bnr.bg/RadioBulgaria/Emission_German/Theme_Politik/Material/060709.htm

Juli 3, 2009

Bojko Borissow – na servas

Gespeichert unter: Allgemein, Politik & Geschichte — jmseuss @ 3:10

Am 5.Juli wird in Bulgarien das Parlament gewählt. Laut neuesten Umfragen und als Erfahrung aus der vor einem Monat abgehaltenen Europawahl, wird mit einem Erfolg für den Bürgermeister von Sofia, den Vorsitzenden der Partei GERB, Bojko Borissow, gerechnet. Rund 30% der Stimmen räumen ihm Experten ein, die mit einer, für Bulgarien, hohen Wahlbeteiligung von mehr als 50% rechnen.

Der Rechtspopolist Borissow kommt nun seinem Traum Bulgariens Premier Minister zu werden sehr nahe. Um das zu erreichen, müsste GERB mindestens zwei weitere Parteien zu einer gemeinsamen Koalition überreden. Welche das sein werden ist noch unklar, ausgeschlossen hat Borissow die Zusammenarbeit mit der sozialistischen Partei BSP unter dem noch aktuellen Premier Stanischew. Der Regierung wirft Borissow vor, korrumpiert bis in die Spitze zu sein und erforderliche Reformen nicht durchgezogen zu haben.

Boyko_Borisov

Obwohl Borissow selbst nicht die beste Bilanz aufzuweisen hat, traut er sich und scheinbar auch viele Bulgaren ihm, zu, dass politische System in Bulgarien zu verändern.

Borissow ist in gewisser Weise eine schillernde Persönlichkeit, auch wenn nichts an ihm glänzt. Er ist ein Kraftmeier, einer der zupacken kann und will, einer dessen Laufbahn illustrer kaum sein könnte. Für mich verkörpert er in gewisser Weise DEN bulgarischen Mann, Macho und Mainstream, von dem er sich explizit absetzen will. Glaubt man verschiedenen Berichten über ihn, dann ist Silvester Stallone ein grosses Vorbild und ein Witz, den ich neulich über ihn las geht folgendermaßen: in Bulgarien gibt es keine Lesben, es gibt nur Frauen, die Bojko Borissow noch nicht kennengelernt haben.

Der ehemalige Karatetrainer des bulgarischen Nationalteams hat sich über die Akademie des bulgarischen Innenministeriums ganz nach oben gearbeitet. Als Leibwächter war er für die Sicherheit des letzten Vorsitzenden der bulgarischen kommunistischen Partei Todor Schivkow zuständig, verdingte sich später im Innenministerium und brachte es so bis zum Bürgermeister von Sofia (seit 2005). Im Jahr 2006 gründete er seine eigene Partei GERB. Glaubt man der Eigenbeschreibung der Partei (siehe http://www.gerb.bg/bg/Political-frame), dann will die Partei ein besseres europäisches Bulgarien für alle Bulgaren, egal welcher Rasse, welchen Geschlechts, welcher Religion und welchen Alters. Sie schustert sich ein christdemokratisches Wertebild zusammen, in dem alles und jeder sich wiederfinden kann und das in einem sozialliberalen System. Dass GERB entschieden gegen Homosexualität auftritt und der Umgang mit der Minderheit der Zigeuner nicht grade von alter Freundschaft geprägt ist, wirft natürlich Fragen auf. Aber gerade diese Unangenehmen Fragen sind es, mit denen Borissow wie kein zweiter in Bulgarien umgehen kann. In diesem Fall mag man nicht mehr an Stallone als alleiniges Vorbild glauben, der eher eisern schweigt oder stirbt, als zu antworten. Eher kann man sich vorstellen, dass Borissow bei Berlusconi in Lehre war. Angriff ist die beste Verteidigung. Und das scheint tatsächlich das Credo: Immer sind die anderen schuld! IMMER und aus Prinzip! Dass Borissow selber Probleme hat sich politisch durchzusetzen geht bei seiner Kampfrhetorik leicht einmal unter. Wichtigste Ziele, die er sich als Bürgermeister von Sofia gesetzt hat, sind weiterhin ungelöst (siehe Müllkrise in Sofia: http://www.wieninternational.at/de/node/13400). Auch bei dem Borissow so wichtigen Themen Korruption und Kriminalität sind Fragen angebracht. Borissow inszeniert sich gerne und oft als den am besten geeignetsten Mann zur Bekämpfung dieser noch immer so dringenden Probleme und doch gab es während seiner Zeit im Innenministerium Bedenken betreffend seiner Integrität. Denn nicht zuletzt ist Borissow selber ein Günstling der Wendejahre. Neben einem Inkassobüro gründete eine der größten Security-Firmen des Landes. Das diese, während der Chef selber sich zum Saubermann der Nation stilisierte, auch für die Sicherheit von Wendegewinnern jeder Couleur (Unternehmer, Politiker, Mafia) kümmerten, ist weder ein Geheimnis, noch konnte man Borissow je unsaubere Geschäftsmethoden nachweisen. Zweifel blieben immer. Und nicht nur deshalb, weil er als oberster Mafiajäger schlicht und ergreifend keine Erfolge vorzuweisen hat.

Borissow macht also das, was schon hunderte und tausende Populisten vor und nach ihm getan haben, um mit den „fantastischen Vier“ zu sprechen: „du redest laut, doch du sagst gar nichts…“. Das aber reicht. Borissow verspricht den Bauern die eingefrorenen EU-Gelder einzulösen, er verspricht dem ganzen Land Friede, Freude und Notfalls sogar Eierkuchen; die Eliten werden ausgemistet, die Mafia vernichtet, das Gesundheitssystem reformiert und so weiter und so fort.

Ich persönlich kenne niemanden, der Borissow mag oder für ihn stimmen wird, ich kenne aber auch niemanden, der mit der jetzigen Situation zufrieden ist. Dass die Regierung Stanischew zumindest teilweise korrumpiert ist, mag man nicht mehr bestreiten (bei aller Sympathie für Sergej), dennoch hat sie, glaubt man Berichten über die wirtschaftliche und sozioökonomische Entwicklung, gute Arbeit geleistet. Und nicht zuletzt scheint das Land auch in der Krise gerüstet zu sein. Die Politikverdrossenheit vor allem der jungen und der älteren Wählerschichten ist in diesem Sinne nicht nachvollziehbar. Natürlich geht es vielen Menschen schlecht, natürlich kann man sich nicht mit europäischen Standarts messen, aber in Bulgarien ist die Zivilgesellschaft im europäisch-demokratischen Sinne auch erst 20 Jahre alt.

Um zu einem Punkt zu kommen… sollen sie ihn wählen und dann schauen, was sie bekommen. Borissow wird keine Diktatur errichten und auch er wird sich der Abhängigkeit von Brüssel bewusst werden. Es kann also nicht so schlimm kommen, wie manche denken. Dass Borissow kein Imagegewinn für das Land ist, ist klar, aber in vier Jahren wird erneut gewählt und mit jedem Jahr steigt die Zahl derer, die sich verantwortungsbewusst mit ihrer Heimat auseinandersetzen. Und das ist die große Hoffnung, die für das Land besteht, dass eine neue Generation beginnt sich mehr und mehr zu engagieren. In diesem Sinne: Kopf hoch, auch einen Borissow kann man überstehen und an seiner Arbeit messen. Vielleicht ist gerade das die Hoffnung, dass sich nun wieder mehr junge Menschen in der Politik engagieren werden.

Juni 11, 2009

Interview mit „Bulgaren in Österreich“ Chefredakteurin Elitsa Karaeneva

Gespeichert unter: Allgemein, Kunst und Kultur — jmseuss @ 4:15

Die Zeitschrift „Bulgaren in Österreich“ nimmt in der österreichischen Medienlandschaft eine Sonderstellung ein.

Enstanden aus einem Projekt an der Uni Wien hat sich die Zeitschrift inzwischen etabliert.

Durch ihre Bilingualität wird sowohl deutschsprachiges als auch bulgarisches Publikum erreicht. Ausführliche Interviews sind besonderes Markenzeichen der Zeitschrift, die monatlich erscheint.

Für Chefredakteurin Elitsa Karaeneva ist die Herausgabe der Zeitschrift eine Herzensangelegenheit, die sie mit unglaublichem persönlichen Engagement vorantreibt. Im Folgenden Gespräch, im Mai 2009 geführt, lesen Sie, was Frau Karaeneva antreibt, was sie über Bulgarien und das Leben und Schaffen in Österreich denkt.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Frau Karaeneva für das Gespräch bedanken, das in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre stattfand. Von meiner Seite bleibt nur noch alles Gute für die Zukunft der Zeitschrift zu wünschen und Sie, liebe Leser, hoffentlich spannend zu unterhalten. Sollte das Interview Ihr Interesse geweckt haben, dann zögern Sie nicht die Homepage der Zeitschrift zu besuchen, am Forum teilzunehmen, oder die Zeitschrift zu abonieren.

Elitsa Karaeneva, Chefredakteurin von "Bulgaren in Österreich"

Elitsa Karaeneva, Chefredakteurin von "Bulgaren in Österreich"

http://www.bulgaren.org/Deutsch/index_de.html

Martin S.: Elitsa, was empfindest du, wenn Du an Bulgarien denkst?

Elitsa K. : Wahrscheinlich unterscheide ich mich da nicht von den meisten anderenBulgaren. Zuerst sticht mal das Chaos ins Auge. Wenn ich lange Zeit nicht dort war, dann ist das Bild zunächst wunderbar, die Gebirge und die Natur sind einfach perfekt. Bin ich aber erst einmal dort, dann bin ich immer wieder enttäuscht zu sehen, in welche Richtung sich das Land entwickelt…

M.: Du sprichst jetzt von welcher Entwicklung? Von der politischen oder von der gesellschaftlichen?

E. : Politisch ist es fraglos schlimm, es ist dann schwer Bulgarien zu mögen. Aber auch wie die Leute sich benehmen…es ist auch schwer die Bulgaren selber zu mögen. Wenn man hier aus dem Westen kommt, ist man ja gewohnt, dass alles seine Ordnung hat und dann ist Bulgarien erstmal wie ein Schock.

M.: Siehst du darin nicht auch eine Chance? Darin, dass alles so ungeordnet ist?

E.: Ich hoffe, dass es eine Chance auf Veränderung gibt. Ich glaube diesen Negativismus finden wir am meisten in Sofia, in den kleinen Städten ist es nicht so schlecht wie in der Hauptstadt. In den kleinen Städten und auf den Dörfern ist der Mensch noch eher Mensch geblieben, sie sind netter dort und fröhlicher und das obwohl sie unter sehr schwierigen Umständen leben. In Sofia leben einfach zu viele Menschen und alles ist schlecht organisiert, auch wenn kleine Verbesserungen, zum Beispiel im Straßenverkehr, sichtbar werden.

M.: Du hast, soweit ich weiß, in Bulgarien studiert?

E.: Ja ich habe dort das Bakkalaureat abgeschlossen.

M.: Dann für den Master bist du nach Wien gekommen. Gab es einen besonderen Grund gerade Wien zu wählen?

E.: Ich habe einfach viele Freunde, die in Wien zum Teil auch studiert haben und die mir gerade am Anfang sehr geholfen haben.

M.: War es eine bewusste Entscheidung Bulgarien zu verlassen, oder war es studientechnisch nicht anders möglich?

E.: Ich wollte eine Veränderung. Dadurch, dass ich früher immer einige Sommer in Amerika verbracht habe, bin ich es gewohnt an anderen Orten zu sein. Die letzten zwei drei Jahre in Bulgarien bin ich gar nicht mehr weg gewesen und daran wollte ich etwas ändern.. Ich wollte ja auch noch weiter studieren und eine andere Sprache lernen, da ich eine Sprache am besten vor Ort lerne.

M.: Du sagst du kennst viele Bulgaren in Wien, das bringt mich zu einer spannenden Frage; fast jeder weiß ja, dass in Wien sehr viele Bulgaren leben und dennoch haben Österreicher und Bulgaren nicht sehr viel miteinander zu tun. Ich beobachte das auch an der Uni, wo jedes Grüppchen unter sich bleibt. Es gibt eigentlich kaum Austausch… Beobachtest du das auch?

E.: Ja, das konnte ich oft beobachten und ich glaube es ist einfach so. Als wir mit der Zeitschrift begonnen haben, haben wir auch genau daran gedacht. Wir wollten helfen, dass die Bulgaren zusammenkommen, dass es nicht zehn hier und zwanzig dort gibt. Zuerst die Bulgaren untereinander und dann natürlich auch die Österreicher und die Bulgaren.

M.: Zuerst war die Motivation also die Bulgaren zusammenzubringen?

E.: Nein nein…die Zeitschrift war von Anfang an zweisprachig und sie hatte schon den klaren Auftrag, den Österreichern mehr von Bulgarien und seinen Menschen zu zeigen. Es ist schon ein Wunsch, die beiden Kulturen miteinander zu vergleichen, vor allem aber sie aus der gegenseitigen Perspektive kennen zu lernen.

M.: Hast du denn die Trennung der beiden Kulturen schon am Anfang, als du nach Österreich gekommen bist gespürt, oder hat sich das erst im Lauf der Zeit entwickelt?

E.: Weiß du, bei mir persönlich ist diese Trennung gar nicht so ausgeprägt.Meine Freunde sind ziemlich international, viele meiner bulgarischen Freunde sind mit Österreichern verheiratet. Als ich nach Österreich gekommen bin habe ich überhaupt kein Deutsch gesprochen. Ich habe mich ganz bewusst von den Bulgaren isoliert um mich auf die deutsche Sprache konzentrieren zu können. Ich habe mich also zuerst nur mit Österreichern getroffen, oder meine bulgarischen Bekannten genötigt deutsch mit mir zu sprechen. So hat das funktioniert. Ich habe gemerkt, dass wenn man offen ist, man auch etwas zurückbekommt. Ist man das nicht, dann kann man auch keine Offenheit erwarten…

M.: Wann genau kam dir die Idee, die Zeitschrift „Bulgaren in Österreich“ zu machen? War es eine Initiative nur von Dir, oder hattest du Mitstreiter?

E.: Ich habe 2006 mit meiner Kollegin Tatyana Ribarska begonnen. Angefangen hat es an der Uni. Wir, die Studenten, sollten eine Idee projektplanerisch umsetzen. Da mein Mann, der Serbe für eine serbische Zeitschrift hat, ist mir diese Idee eingefallen.

Tatyana Ribarska - Leiterin Marketing

Tatyana Ribarska - Leiterin Marketing

M.: Hier in Österreich? Ist sie auch zweisprachig?

E.: Ja, in Österreich. Zur Zeit ist sie aber nur auf Serbisch.

Das hat mir jedenfalls bei dem Projekt geholfen. Die Lehrerin hat mich und andere Bulgarinnen zusammengebracht und so haben wir angefangen. Es war allerdings zuerst als ein rein theoretisches Projekt geplant, wie viel es kosten wird, wie man die Zeitschrift verbreiten kann, die ganze Organisation. Am Ende hat sich aber nur eine Kollegin entschieden mit mir weiterzumachen. So haben wir also zu zweit begonnen und ich habe alle meine Österreichischen und Bulgarischen Freundinnen und Freunde dazu gebracht auch etwas zu schreiben oder zu übersetzen.

M.: Wie lange gibt es „Bulgaren in Österreich“ jetzt schon?

E.: Die Zeitschrift gibt es seit fast zweieinhalb Jahren. Bisher sind 16 Ausgaben erschienen, die 17. ist schon geplant.

M.: Wie funktioniert das denn alles im Detail, welche Schritte müsst ihr planen, bis die Zeitschrift auf dem Tisch liegt? Zu zweit…das ist ja enorm viel Arbeit?

E.: Organisieren tun wir es zu zweit, das stimmt. Es gibt aber mehr Leute, die schreiben, 20 in etwa. Meistens brauche ich zwei bis drei Wochen, um die Ideen in meinem Kopf reifen zu lassen. Dann mache ich mich auf die Suche nach Leuten, die die Texte schreiben.

M.: Du überlegst dir die Themen also alleine?

E.: Nein, meistens überlege ich zusammen mit Tanya und es passiert jetzt auch immer öfter, dass Leute zu uns kommen und uns Themen vorschlagen, über die es interessant zu berichten wäre. Manchmal kommt aber auch nichts von außen und dann wird es mit der Zeit schon urschwierig Themen zu suchen und zu finden.

Hat man aber erstmal die Phase der Themenfindung hinter sich, dann geht alles seinen Lauf. Man verteilt sie an die Leute, die schreiben, gibt die Texte dann weiter an einige Bulgarinnen, die übersetzen und die Österreicher korrigieren das Übersetzte. Am Ende steht die Zusammensetzung und das Layout.

M.: Wie wird das denn alles finanziert? Da kommt ja doch einiges zusammen. Bekommt ihr irgendwelche Förderungen?

E.: Wir bekommen eine kleine Förderung vom Magistrat 7, das reicht aber vorne und hinten nicht.

M.: Ihr bekommt also nichts von bulgarischer Seite? Nichts von Kulturinstitutionen, vom bulgarischen Kulturministerium? Nichts? Aber ihr habt versucht Förderungen zu bekommen? Und wenn, mit welcher Begründung wurde das abgelehnt?

E.: Die Begründung war, dass im Kulturbudget diese Sparte nicht existiert.

M.: Und die wird auch nicht geschaffen…War und ist das für dich eine Enttäuschung? Als Antwort lachst du, als wolltest du damit sagen: „ahh…typisch“..

E.: Ja, genau. Anfangs haben wir noch gehofft, aber dann haben wir gesehen, wie die Bürokratie funktioniert und das solche Projekte keine Chancen haben, wenn man es nicht selber finanziert, oder es auf anderem Wege schafft.

M.: „Bulgaren in Österreich“ lebt also von Werbeeinnahmen. Reicht das? Kommt ihr damit über die Runden? Ich nehme an ihr werdet nicht reich damit…?

E.: Im Gegenteil, wir zahlen immer noch drauf. Das Geld reicht für Druck und Post. Der Rest geschieht ja alles auf freiwilliger Basis. Das macht die Arbeit sehr schwierig. Die Leute werden ja nicht bezahlt und dennoch fragt man immer wieder nach ihrer Zeit und ihren Anstrengungen. Grade deshalb bin ich aber auch so froh, dass es immer noch Leute gibt, die trotzdem mitmachen.

M.: Nach zweieinhalb Jahren seid ihr aber gewissermaßen schon etabliert und es besteht keine akute Gefahr, dass ihr aufhören müsst?

E.: Solange die Werbeeinnahmen kommen, können wir weitermachen.

M.: Ihr tretet in der Öffentlichkeit aber auch eher dezent auf. Ich habe am I nstitut für Slawistik noch nie ein Heft von Euch gesehen, auch nicht im Haus Wittgenstein, oder in irgendeinem Café.

E.: Dabei schicken wir immer wieder Ausgaben an einige Professoren mit dem Ziel, dass diese die Zeitschrift an der Bulgaristik verteilen. Herr Miklas z.B. hat schon einige Ausgaben erhalten und auch Frau Mark. Die beiden sind doch noch an der Uni tätig?

M.: Ja ja…

E.: Na wohin gehen dann unsere Ausgaben?

M.: Die werden wohl zu Hause landen… Bekommt ihr sonst Feedback und wie viele Menschen erreicht ihr damit?

E.: Wir drucken 5000 Stück pro Auflage. Viele der Abonnenten sind Österreicher. Man sieht also, dass es Interesse an Bulgarien gibt.

Natürlich lesen es auch die Bulgaren, davon sind viele Studenten, wie viele genau kann ich aber nicht sagen. Verteilt wird überall, wo Bulgaren verkehren; Kirchen, Restaurants, bulgarische Geschäfte.

M.: Hauptsächlich aber in Wien?

E.: Außerhalb von Wien haben wir auch Abonnenten, in Graz, Salzburg und Linz zum Beispiel, aber auch vom Land. Und Feedback bekommen wir auch hauptsächlich über die Abo-Anfragen. Die Menschen bedanken sich dann für die schöne Zeitschrift und fügen oft an, wie interessant hilfreich sie sie finden. Auch die Artikel und Anzeigen in der Zeitschrift werden positiv erwähnt. Gestern habe ich zum Beispiel eine Email von einem jungen Mann, Österreicher, bekommen, der schreibt, dass er einen Architekten interviewen möchte und ob das für die Zeitschrift interessant wäre, es könnte auch übersetzt werden und er würde sich um Fotos und alles kümmern. So etwas ist für uns natürlich perfekt.

Feedback bekommen wir also, im Forum allerdings schreibt kaum jemand.

M.: Das Forum auf der Website ist allerdings auch nur auf Bulgarisch, oder?

E.: Nein eigentlich nicht, auch das Forum ist zweisprachig, aber trotzdem geht da wenig vorwärts.

M.: Wie habt ihr vor weiter zu machen, was ist eure Perspektive?

Es wird ja als Kulturmagazin bezeichnet und wenn man alleine die vorletzte Ausgabe betrachtet, vor allem das Interview mit dem Übersetzer Alexander Sitzmann, dann stellt man fest, dass es wirklich feine Arbeit ist. Das ist und bleibt also eure Richtung?

E.: Sicher. Das ist und bleibt unsere Richtung und ich will auch keine Politik in der Zeitschrift. Es bleibt bei der Kultur der Länder. Dennoch wünsche ich mir, dass jetzt noch mehr über Österreich geschrieben wird. Verbesserungswürdig scheint mir der Kontakt mit dem Publikum, also den Lesern. Es hat ja auch immerhin etwa ein Jahr gebraucht, bis die Leute gemerkt haben, dass wir da wirklich was Gutes machen, es braucht also Zeit. Und die Leute brauchen uns inzwischen.

M.: Du denkst die Leute brauchen euch?

E.: Ja, sie brauchen uns.

M.: Wofür?

E.: Für ein bisschen Selbstbewusstsein. Wir möchten auch langsam anfangen, Bulgarien zu kritisieren. Natürlich nur, wenn es Gründe für Kritik gibt, nicht einfach schimpfen, sondern um andere Wege zu zeigen. Ich finde inzwischen nicht mehr ganz richtig, wenn man nur positives schreibt. Es ist genau so wichtig, auch die andere Seite zu zeigen. Bisher haben wir aber versucht, nur die guten Seiten darzustellen. Aber wenn man als Ausländer am Flughafen in Sofia ankommt und dann die Taxifahrer trifft, die gleich mal 40 Euro für eine Fahrt ins Zentrum kassieren wollen, für fünf Kilometer, das ist schlimm! Und jetzt, wo wir uns schon etwas etabliert haben, können wir uns ein bisschen Kritik glaube ich auch leisten. Und dann wollen wir vielleicht den Österreichern, die nach Bulgarien fahren Tipps geben, worauf sie achten sollen, dass sie wissen, wie sie ihre Rechte verteidigen können. Ich selber hatte das letzte Mal in Bulgarien wieder einen Eklat mit den Taxifahrern und das obwohl ich auf sie vorbereitet war…ich konnte es nicht glauben…es hat mir die Stimmung für die nächsten zehn Tage verdorben.

M.: Willst du den Vorfall erzählen?

E.: Ach was gibt es da zu erzählen, er hat einfach versucht uns anzulügen und war furchtbar arrogant, übelste Sorte, es hat keinen Sinn das nochmal zu erzählen.

M.: Zurück zur Zeitschrift. Hast du daran gedacht, die Zeitschrift in Bulgarien selber herauszugeben, oder dort zu verteilen?

E.: Es wird verteilt. Wir schicken ständig Ausgaben an verschiedene Ministerien, an die Bibliothek und außerdem legen wir welche in die Reisebusse, die von Bulgarien nach Österreich fahren. Damit wollen wir die Bulgaren erreichen, noch bevor sie nach Österreich kommen. Sie wissen dann wo zum Beispiel bestimmte Konzerte stattfinden, welche Orte sich zu besuchen lohnen und welche Menschen, Bulgaren und Österreicher überhaupt in diesem Land leben.

M.: Verteilt ihr auch an deutschen Schulen in Bulgarien, oder am Goetheinstitut zum Beispiel?

E.: Bisher hatten wir da noch keine Kontakte, es ist aber eine gute Idee. Ich weiß aber auch nicht, ob wir den Ansprüchen des Goetheinstituts genügen würden.

M.: Kulturzeitschrift ist natürlich ein großes Wort und grade in Bulgarien haben solche, speziell in der Wiedergeburtszeit, aber auch davor und danach, sei es in München oder Bukarest, eine große Tradition, siehst du dich in dieser Tradition? Auch in deiner Funktion als „Exilbulgarin“?

E.: Lernst du das alles in der Uni? Nein, in diesem Bereich kenne ich mich nicht so aus und es ist auch nicht als Weiterführung einer Tradition gedacht. Es war ein ganz eigenes Projekt. Aber kurz nachdem wir begonnen hatten, haben wir erfahren, dass es vor vielen Jahren hier in Österreich eine vergleichbare Zeitschrift gegeben hat. Sie hat 15 Jahre bestanden und sah sogar ganz ähnlich aus, zweisprachig mit fast den selben Rubriken, auch das Format glich sich. Wahrscheinlich bekommt man einige Ausgaben noch im Haus Wittgenstein. Sie hieß „Novini“

M.: Kennst du die Leute, die diese Zeitschrift gemacht haben?

E.: Ja, der Herausgeber heißt Philipov, er ist aber kürzlich gestorben. Er war über 88 Jahre alt, glaube ich. Und dann hat noch eine Dame mit ihm gearbeitet, die jetzt den bulgarischen Kulturverein „Kyrill und Methodii“ in Wien als Vorsitzende leitet, über den wir auch schon berichtetet haben. Einige ihrer Aktivitäten sind Leute aus Bulgarien einzuladen, die Vorträge über die bulgarischen Wurzeln halten.

M.: Weißt du, warum diese Zeitschrift nicht mehr existiert?

E.: Geld. Es lag am Geld. Die haben das ja genau wie wir freiwillig gemacht. Es ist wirklich viel Arbeit und irgendwann fehlt dann vielleicht auch der Enthusiasmus, das weiter zu machen.

M.: Das kann ja für dich nicht grade motivierend sein, zu sehen, dass eure „Vorgänger“ 15 Jahre gekämpft haben und dann doch aufgeben mussten.

E.: Ja es ist so, auch bei uns. Manchmal wissen wir nicht, wie die nächste Ausgabe finanziert werden soll. Und es mangelt einfach auch an der materiellen Unterstützung. Die Bulgarische Community ist sehr froh, dass es die Zeitschrift gibt, aber wir haben beinahe nie Spenden oder sonstige Hilfe bekommen.

M.: Was ist denn eigentlich die Bulgarische Community? Wie sieht die hier in Österreich aus? Ist sie heterogen? Gibt es eher Reiche oder Arme?

E.: Es ist sehr unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel viele bulgarische Taxifahrer hier in Wien. Und Reiche kenne ich an sich auch wenige, dafür aber Erfolgreiche, mit viel Potential. Einige von ihnen haben wir auch schon in der Zeitschrift vorgestellt. Viele interessante Leute.

M.: Ja, viele von ihnen greifen ja regelrecht in die österreichische Gesellschaft ein und gestalten sie mit. Dimitre Dinev zum Beispiel, der ja andererseits auch wieder viel für bulgarische Autoren tut. Oder die Brüder Wladigeroff.

E.: Ja ja, eben…die haben wir alle präsentiert, die Wladigeroffs und auch ihre Schwester Ekaterina, Dimitre Dinev und IliaTrojanov. Auch die bulgarische Opernsängerin Krassimira Stoyanova und auch Professor Miklas war schon auf dem Titelblatt.

M.: Anderes Thema. Denkst du manchmal darüber nach nach Bulgarien zurück zu gehen, oder ist das unvorstellbar?

E.: Diese Frage stellt einfach jeder immer wieder gerne…

Ich bin mit einem Serben verheiratet, was würde der wohl in Bulgarien machen? Für mich gäbe es vielleicht heute Möglichkeiten in Bulgarien zu arbeiten, aber für ihn…? Wir haben hier unser Leben eingerichtet. Es steht also momentan nicht zur Debatte. Außerdem glaube ich, dass ich für die Bulgaren, auch in Bulgarien, mehr von hier aus machen kann, als von dort. Denn hier mache ich die Zeitschrift und nicht dort; dort wäre es vielleicht gar nicht möglich und nötig.

M.: Was mich an Bulgarien reizt ist eben dieses Chaos, was dich eher abschreckt. Ich bin ja in Süddeutschland aufgewachsen und habe dann im ganzen deutschsprachigen Raum gelebt, auch in der Schweiz und jetzt hier in Österreich. Ich weiß, wie es hier aussieht, alles ist grade, alles ist sauber, die Menschen sind ernst…klar bewege ich mich jetzt in Schubladen, aber wenn ich in Bulgarien bin dann fühle ich…

E.: …Freiheit…

M.: Nein, nicht Freiheit. Es sind die Eindrücke, die Bilder, die mich jedes mal wieder überraschen und faszinieren. Mir macht es gar nichts aus, dass es staubig und anstrengend ist, im Gegenteil.

E.: Naja, schau, ich habe Freundinnen in Sofia, die schon Kinder haben…

M.: Schön, dass du das sagst. Immer wenn ich in Sofia unterwegs bin fällt mir auf, dass es eigentlich im Zentrum unmöglich ist einen Kinderwagen zu schieben.

E.: Leider nicht nur im Zentrum, das ist überall so. Manchmal wissen sie gar nicht wo sie mit ihren Kindern zum spielen gehen sollen.

M.: Ja, aber das wird alles noch, denkst du nicht? Jetzt gibt es ja schon den ersten Fahrradweg in Sofia… zwei Kilometer!

E.: ECHT? Und da fahren die armen Radfahrer dann immer hin und zurück? Es stimmt schon, es sind sehr viele kleine Schritte, aber auch sehr viele, bei denen überhaupt nicht nachgedacht wird. Schau dir schon mal alleine an, wie viel und wie unsinnig gebaut wird. Oder was sie mit dem Meer gemacht haben, mit der Küste…keiner von meinen Bekannten fährt noch ans Schwarze Meer. Früher habe ich das Meer so gerne gemocht, heute ist es unmöglich. Total verbaut. Braucht man all diese Gebäude?

M.: Da hast du recht, auch Bansko zum Beispiel. Es hat durch den „Aufschwung“ vieles verloren, was es damals typisch gemacht hat. Heute ist es so wie an der Adria oder in Südspanien, einfach grauslich.

E.: Das man aber aus genau diesen Fehlern nicht gelernt hat, das verstehe ich nicht.

M.: Liegt es auch daran, dass sich so wenige Leute einsetzen?

E.: Aber nein, es gibt viele, die sich einsetzen. Ich selber habe schon an solchen Initiativen in Bulgarien teilgenommen. Die Meinung der Menschen wird aber nicht berücksichtigt.

M.: Es gibt wirklich welche, die sich wehren? Das höre ich zum ersten Mal.

E.: Vor allem viele Junge Menschen versuchen Dinge zu verbessern. Und sie organisieren sich auch zunehmend, vor allem in den Städten, aber bisher finden sie kein Gehör. Seit etwa einem Jahr gibt es auch ein bulgarisches Pendant zu den Grünen Parteien in Europa….

M.: …ich habe gehört, dass die Grünen in Bulgarien von einer Versicherung finanziert werden? Das ist doch auch etwas dubios, oder?

E.: Ja, das habe ich auch gehört. Scheinbar steht irgendeine Investorengruppe hinter der Partei. Man fragt sich dann schon, was das für eine Grüne Partei sein kann… Aber so ist das in Bulgarien, wenn man Geld verdienen kann, dann verdient man es, egal ob es unmoralisch ist oder nicht.

M.: Also Kritik…ich sehe schon wie es losgeht. Soll das schon mit der nächsten Ausgabe beginnen?

E.: Nein ich denke noch nicht. Viele Leute sagen uns immer wieder, dass wir kritischer berichten sollen, aber kaum einer bringt sich ein. Es wird erwartet, dass das von uns kommt. Kritik lesen wollen alle, selber kritisieren will keiner. Man will nicht seinen Namen unter dem Artikel stehen sehen.

M.: Habt ihr denn eigentlich mal die Vergangenheit beleuchtet? Die Wende, das Davor und das Danach?

E.: Wir haben zwar eine Rubrik „Geschichte“, in der geht es aber eher um die bulgarische Community in Österreich. Alles andere bekommt dann gleich wieder so einen politischen Touch und das wollen wir nicht. Politik ist ein schmutziges Geschäft und die Meinungen sind geteilt. Wenn wir uns einmischen, dann verlieren wir eventuell unser Publikum, das können und wollen wir uns nicht leisten.

M.: Glaubst du nicht, die Abonnenten würden zahlen?

E.: Wir hoffen das inzwischen auch und werden versuchen, das mit den nächsten Ausgaben umzusetzen. So kann es eigentlich nicht weitergehen. Die Leute, die so interessante Sachen für uns schreiben, wollen wir auch halten und das geht kaum, wenn man immer nur auf freiwilliger Basis arbeitet.

M.: Was werden die Themen der nächsten Ausgabe sein?

E.: ……

M.: Sonst kann ich auch noch warten?

E.: Ja bitte warte noch. Es ist zwar schon fast alles im Kopf, aber es muss noch ausgearbeitet werden. Lass dich überraschen.

M.: Besuchst du regelmäßig bulgarische Veranstaltungen in Wien?

E.: Ich müsste, habe aber einfach zu wenig Zeit und ein bisschen auch die Lust verloren. Verstehe mich nicht falsch…ich mache die Zeitschrift sehr gerne, aber es ist sehr zeitaufwendig. Wenn ich dann noch die Veranstaltungen besuche und über sie schreibe, wenn ich dann auch noch mit den Anwesenden reden muss, dann wird mir das irgendwann einfach zu viel.

M.: Wie viel Zeit verwendest du denn für die Zeitschrift?

E.: Viel. Eigentlich jeden Tag, auch wenn es nur Koordination ist oder das Beantworten von Mails. Die meiste Arbeit fällt aber in den letzten zwei Wochen vor dem Erscheinungsdatum an. Dann muss die Ausgabe für den Druck vorbereitet und das Layout fertig gemacht werden. Da geht es oft stressig zu. Zum Glück habe ich meinen Mann und wir unterstützen uns gegenseitig. Er hat mir auch geholfen, mich überhaupt erst in viele der Programme einzuarbeiten, die ich ja noch gar nicht kannte.

M.: Ich finde es besonders schön, wenn aus Projekten längerfristige Dinge entstehen. Bist du stolz darauf das geschaffen zu haben?

E.: Ja, ich kann nicht behaupten, dass ich nicht stolz wäre… Und alles in allem überwiegen die positiven Seiten. Ich habe wirklich auch ganz persönlich von der Zeitschrift profitiert. Ich habe inzwischen sehr viele Kontakte und ich gehe heute anders mit Menschen um, es fällt mir leichter, mit ihnen zu sprechen. Ich war immer etwas zurückhaltend. Jetzt habe ich ein ganz anderes Selbstbewusstsein.

M.: Zeigen die österreichischen Medien Interesse an eurer Arbeit?

E.: Generell glaube ich, dass sich die österreichischen Medien nicht besonders für Immigranten-Initiativen interessieren. Dafür haben wir aber viele Kontakte zu anderen Migrantenmedien. Wir sind halt auch keine Profis und dann möchte ich nicht erwarten, dass sich professionelle Medien mit uns beschäftigen.

M.: Du ich finde die „professionellen Medien“, grade in Österreich, werden überbewertet. Oft sind die Artikel belanglos und oft sogar schlecht geschrieben. Ich glaube ihr braucht euch da nicht zu verstecken.

E.: Wahrscheinlich hast du da sogar recht.

M.: Euer erstes Heft ist beinahe gleichzeitig mit dem Beitritt Bulgariens zur europäischen Union erschienen. Habt ihr darüber berichtet?

E.: Ja, wir haben dem einen Teil gewidmet.

M.: Im Gegensatz zu Beitritt der baltischen Staaten, kam mir der Aufwand, der um Bulgarien und Rumänien betrieben wurde relativ gering vor. Kannst du dir das erklären?

E.: Ich denke man hat uns nicht wirklich in Europa gewollt.

M.: Denkst du Europa tut Bulgarien gut?

E.: Wenn wir uns auf das Projekt einlassen dann ja. Aber die Bulgaren sind

so stur und denken sie sind so clever, dass ich daran zweifle.

M.: Und du? Fühlst du dich wohl in Österreich? Es ist ja auch nicht immer das einfachste Land für Migranten….

E.: Ich hatte mit Österreich nie grosse Probleme. Natürlich gibt es immer Probleme, aber nicht solche, die man nicht lösen könnte. Von Freunden habe ich schon immer wieder mal was gehört, aber ich habe es nicht gemerkt.

M.: Du willst aber nicht wie Dinev zum Beispiel die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen?

E.: Nein, ich bin Bulgarin und ich bin stolz eine Bulgarin zu sein. Auch wenn Sachen gibt, die mir nicht an meinem Land gefallen. Wenn wir alle etwas positiver denken würden, wäre schon ein großer Schritt nach vorne getan. Und stolz bin ich auch, was ich für Bulgarien tue, wenn auch aus der Distanz. Und wenn mir jemand sagt, du bist doch im Ausland, du kannst nichts verändern, dann ist das gerade eine Herausforderung für mich!

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Juni 8, 2009

Europawahl Bulgarien 2009

Gespeichert unter: Politik & Geschichte — jmseuss @ 9:30

Laut den letzten Ergebnissen vom 08.06.2009, hat sich die Mitte-rechts Partei GERB, unter der Führung des Sofioter Bürgermeisters Bojko Borissov, bei den Europawahlen in Bulgarien mit 24,55 Prozent der Stimmen, durchsetzen können.

Damit hat sich bewahrheitet, was bereits angenommen werden durfe und ausserdem ein europäischer Trend nach Rechts bestätigt. Allerdings durfte sich GERB dennoch nicht über den erwarteten Erdrutschsieg freuen.

Premier Stanishev und seine sozialistische Koalition kommen den Angaben nach auf nicht mehr als 18,44%, gefolgt von der Partei der türkischen Minderheit DPS mit 14,13%, sowie der rechtsnationalen Attacka mit 11,72%.

Die Wahlbeteiligung wurde mit 37,49% beziffert, was bedeutet, dass im Vergleich zur letzten Wahl 2004, 600.000 Bulgaren mehr an den Urnen zu finden waren.

Insgesamt sendet Bulgarien nach dieser Wahl 17 Abgeordnete nach Straßburg. Was die Wahl innenpolitisch bedeuten wird, bleibt abzuwarten, der Rechtsruck ist aber deutlich und natürlich, wie auch in anderen Ländern als Ausdruck des Protestes, aber auch als Wandel in der Wahrnehmung zu interpretieren. Trotz fragwürdiger Positionen die vor allem GERB und Attacka besetzen, ist es erfreulich, dass mehr Menschen gewählt haben und es bleibt zu hoffen, dass sie sich kritisch mit dem politischen Umfeld auseinandersetzen.

http://www.bnr.bg/RadioBulgaria/Emission_German/News/B13-0706.htm

Mai 6, 2009

Dimitre Dinev präsentiert „Familienbrand“ von Vladimir Zarev im Literaturhaus….eine Nachbetrachtung

Gespeichert unter: Kunst und Kultur — jmseuss @ 7:21

Wie zu erwarten schöne Veranstaltung, der ich da gestern Abend beiwohnen durfte. Schön aber nicht ohne Makel.

Eröffnet wird durch die Verantwortlichen des Literaturhauses Wien sowie einer Vertreterin des Deuticke Verlages, in dem Zarevs Buch „Familienbrand“, in einer Übersetzung von Dimitre Dinev, erschienen ist.

Dinev beginnt mit einer scheinbar unorthodoxen Frage: „Vlado (so nennt er seinen Freund Vladimir Zarev an diesem Abend durchgehend) was hast du zuletzt geträumt?“. Zarev erzählt er leide letztlich unter dem schrecklichen Traum, frei zu fallen und immer tiefer zu fallen, in einen großen Saal, in dem sein Buch Familienbrand besprochen wird…. Das Publikum im überfüllten Literaturhaus lacht erstmals und Zarev applaudiert sich selber…oder der Zuhörerschaft? So genau erfährt man das nicht.

Nun meint Dinev, er sei ein derart großer Bewunderer, dass es ihm sehr schwer falle über seinen Freund und Vorbild Zarev zu sprechen, die Emotionen würden mit ihm durchgehen und deshalb werde er Teile einer Rede vorlesen, die er einmal zuvor über Zarev gehalten habe. Diese ist dann tatsächlich sehr pathetisch. Auch wenn man ihm seine Freundschaft und Bewunderung abnimmt sind Sätze wie der folgende schon starker Tobak, den man zudem schon auf etlichen Buchdeckeln lesen durfte:

„Man geht mit Zarevs Prosa um, wie man gewöhnlich mit einem Schatz umgeht. Man sperrt sich allein mit ihr ein und streichelt sie mit Augen und ergötzt sich an der Vollkommenheit jedes Bildes, an dem Glanz jedes einzelnen Satzes.“

Zwischendurch gefallen die Brüder Wladigeroff mit einer Interpretation von what a wonderful world.

Nun beginnt Zarev aus dem Bulgarischen zu lesen. Mit eingehender Stimme trägt er etwa drei Minuten aus seinem Werk vor. Dinev übernimmt den deutsch zu lesenden Teil. Sein starker Akzent macht es einem möglich, sich besser in die Literatur aus Bulgarien hineinzufühlen, manchmal aber unmöglich, alles zu verstehen. Dennoch bekomme ich ein Gefühl für das Werk, das, so wurde es vorher bestätigt, Teil einer Trilogie und wohl des Autors Lebenswerk ist. „Familienbrand“ beginnt seine Handlung Ende des 19. Jahrhunderts in den Jahren um und in der geistigen Wiedergeburt Bulgariens nach der Befreiung vom „türkischen Joch“, spinnt sie, in Teil eins, weiter bis zum Ende es zweiten Weltkrieges, behandelt im zweiten Teil die Zeit des Kommunismus in Bulgarien und endet im dritten Teil im Jahr 2005. Dinev betont denn auch, es sei ein langsames Werk, eines, dass man sich erlesen muss und auch will.

Unterbrochen von der wundervollen Musik der Brüder Wladigeroff, werden vier Textpassagen vorgestellt, die einem intime Bilder und fein ausgeschmückte Sprache präsentieren. Dazwischen stellt Dinev Fragen und Zarev antwortet. „Wer ist der perfekte Leser?“ Zarev: „Ich bin der perfekte Leser für mein Werk…“ Das Publikum lacht…Zarev klatscht….“Wer ist für dich der bedeutendste Autor?“ Zarev: „Dostojewski…Sein Stil war zwar nicht perfekt, aber er hat eben losgelöst vom Stil geschrieben…“. Und dann geht es viel um Macht. Zarev: „Wenn ein Baby schreit, dann nur zu einem geringen Teil, weil es Hunger hat oder müde ist. Meistens schreit es um zu herrschen…“ Das Publikum lacht, Zarev klatscht. Zu diesem Zeitpunkt erscheint mir die Vorstellung etwas fragwürdig, ein Selbstläufer, ein eingespieltes Team, Autor, Moderator, Musiker und Publikum, das geht alles etwas zu einfach, ist alles etwas plakativ. Andererseits berührt mich doch das familiäre und ungezwungene an dieser Veranstaltung. Am Ende stellt sich Zarev noch selber eine Frage in Ermangelung solcher aus dem Publikum. Er werde oft gefragt, wie er Bulgarien und seine Entwicklung sehe. Als Resümee einer durchaus kritischen, die Politik geißelnden, Antwort, in der er froh ist, dass Bulgarien nun zu Europa gehört, setzt er einen typisch bulgarischen Witz: Was ist der Unterschied zwischen einem Pessimisten und einem Optimisten? Der Pessimist sagt: Schlechter kann es gar nicht sein. Der Optimist darauf: Doch doch.

Zusammenfassend bleibt mir zu sagen, dass der Abend sich jedenfalls gelohnt hat, dass er auch Spaß gemacht hat, dass ich manchmal das gewisse Etwas an Ernsthaftigkeit im Umgang mit der scheinbar so großen Literatur vermisst habe, die zu Gunsten einer nicht überheblichen, manchmal aber unnötigen, Selbstdarstellung aufgegeben wurde.

Vielleicht sollte man dennoch darüber nachdenken, bulgarische Autoren einmal auch unabhängig von Dimitre Dinev und den Brüdern Wladigeroff zu präsentieren, es droht sonst eine gewisse Ermüdung.

Das letzte Stück des Abends ist das obligate „Istanbul mustn’t become Vienna“ vom Album „Wanderer in Love“ und so schön es ist, überraschend war es nicht.

Mai 2, 2009

Jordan Jovkov…..Meister der bulgarischen Erzählung

Gespeichert unter: Kunst und Kultur — jmseuss @ 1:11

Diesen Artikel habe ich nicht selber verfasst, ihn dafür aber 1 zu 1 aus dem bulgarischen Wikipedia (http://bg.wikipedia.org/wiki/Йордан_Йовков) übersetzt. Wiki wiederrum beruft sich auf die Seite slovo.bg (http://www.slovo.bg/showbio.php3?ID=95), was ich allerdings erst am Ende der Übersetztung festgestellt habe. So haben wir hier einen Text, der uns einen ersten Überblick über Jovkov, sicher aber nicht alle Details seines umfangreichen Schaffens gibt. Bei Gelegenheit hoffe ich bessere Informationen bereitstellen zu können.. Erstaunlich finde ich dennoch, dass es im bulgarischen Wikipedia zu einem der größten Schriftsteller des Landes keine eigenen Informationen gibt. Naja, immerhin.

Jordan Stevanov Jovkov ist ein bulgarischer Schriftsteller. Er wird als Meister der Erzählung eingestuft. Seit 1920 war er Mitglied in der Schriftstellervereinigung, in die er einstimmig gewählt wurde.

Lebens- und Schaffensweg

Jovkovs Kinder- und Jugendtage verbringt er in seinem Geburtsort, wo er auch die Grundschule besucht (1885). Das Gymnasium beendet er 1900 in Sofia. Sein Lehrer für Literatur – der Poet Ivan Grosev- sagt ihm eine Zukunft als Schriftsteller voraus. Nach seiner Diplomierung lebt er in der Dobrudscha, wohin seine Familie umgezogen war. Im Jahr 1900 übersiedelt er ins Dorf Dolen Isvor.

Die Schule für Reserveoffiziere beendet er in Knjaschevo (1902-1904), während dieser Zeit veröffentlicht er sein erstes Werk „unter dem schweren Kreuz“(Zeitung). Zu Beginn des Jahres 1904 schreibt er sich an der juristischen Fakultät der Universität Sofia ein, aber der Tod seines Vaters vereitelt sein Studium. Im Herbst des Jahre 1904 kehrt Jovkov nach Dolen Isvor zurück und arbeitet bis 1912 in verschiedenen Dörfern der Dobrudscha als Lehrer, solange, bis er zum Militär einberufen wird. Am ersten und zweiten Balkankrieg nimmt er als Kompaniekommandant teil. Im Juni 1913 wird er bei Dojran verwundet und einen Monat später befördert. Nach den Kriegen lässt sich Jovkov in Sofia nieder, wo er als Redakteur der Zeitschrift „Volksarmee“ arbeitet, und in der er in der ersten Ausgabe eine Skizze des Balkankrieges publiziert – „der Morgen des Gedenktages“. Nachdem die Zeitschrift eingestellt wurde, ist Jovkov gezwungen Arbeit zu suchen und mit Hilfe von Grigor Vasilev wird er als Bibliothekar und Redakteur der Zeitschrift “ Übersicht über das Ministerium für Inneres und nationale Gesundheit“, in der Abteilung soziale Fürsorge und Wohltätigkeit, angestellt.

Dort arbeitet er bis zum Herbst 1915, als er neuerlich einberufen und zur Stadt Ksanti geschickt wird. Ein Jahr später wird er in die Redaktion der Zeitschrift „Kriegsnachrichten“ abkommandiert. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges beginnt eine der schwersten Perioden im Leben von Jovkov. Die zweite nationale Katastrophe erlebt er in Dobritsch. Nach schweren Tagen, ausgefüllt mit seelischen Qualen und materiellen Beschwerlichkeiten und nachdem die Dobrutscha von den Rumänen besetzt worden war, passiert Jovkov illegal die Grenze und lässt sich in Varna nieder, wo er bis Herbst 1920 als Lehrer arbeitet. Auf Empfehlung von Freunden aus Sofia wird er an der bulgarischen Botschaft in Bukarest angestellt. Von 1920-1927 ist er regulärer Mitarbeiter in der Presseabteilung;

veranlasst durch kontinuierliche Degradierung, verlässt er die Botschaft Ende 1927.

Die letzten zehn Jahre seines Lebens sind angefüllt mir kreativer Arbeit und Kräfte zehrender Anspannung, die sich auf seine Gesundheit auswirkt. Unheilbar krank geht er im Herbst 1937 auf Kur nach Chisaria. Wegen der Verschlechterung seines Zustandes wird er in einer Notoperation im katholischen Krankenhaus von Plovdiv operiert, wo Jovkov nach 24 Stunden stirbt. Auf seiner Beerdigung in Sofia gibt das Volk seiner Liebe und Dankbarkeit Ausdruck.

Jovkov debütiert als Poet.

In den Jahren zwischen 1902 und 1911 entstehen Gedichte (ungefähr 31), die er in unterschiedlichen periodisch erscheinenden Ausgaben veröffentlicht – „Bewußtsein“ , die Zeitschriften „Probuda“, „Maler“, „Neue Zeit“, „Neue Gesellschaft“ und „Perlen“.

Seine Lyrik tut sich nicht durch besonderen Reichtum und Vielfalt der Motive hervor – hatte er noch als sozialer Dichter begonnen, so wandelt sich Jovkovs sozialer Protest später in Resignation, Trauer und Müdigkeit. Sein erstes belletristisches Werk – “ …. Beschwerde“ mit dem Untertitel „Legenden aus dem Balkan“ veröffentlicht Jovkov in der Zeitschrift „Aufklärung“ im Jahr 1910.

Die, an den Fronten von drei Kriegen überstandenen, Jahre, bestimmten die Thematik und Charaktere seines weiteren Schaffens. Seine Kriegswerke werden Anfang 1913 herausgegeben („der Morgen des Gedenktages“); bis 1917 kommt sein Name auch auf den Seiten der Zeitschriften „Gruppe“, „moderner Gedanke“, in den Zeitungen „Wort“, „demokratischer Ausblick“, „Kriegskunde“ und „Vaterland“ vor. Die Impressionen „sie haben gesiegt“, „an der alten Grenze“, „Heimatlose“, „Echo“, die Erzählung „Balkan“ und die Novelle „Landsleute“ ragen heraus.

In seinen dokumentarischen Skizzen legt Jovkov objektiv Zeugnis über den Alltag und die Feiertage des Soldatenlebens ab – Die Schlachtenskizzen sind glänzende künstlerische Zeugnisse des, in der Zeit des Krieges, erlebten – von seinem ersten Tag bis zu seinem tragischen Ende – Jovkov ist aber nicht nur der Chronist, sondern auch der Essayist dieser Ereignisse; die Synthese erreicht er durch emotionale Beherrschung der Kriegsthematik, durch das Prisma des individuellen Eindrucks.

Jovkov etabliert sich in der bulgarischen Literatur mit einem Schmerz, der alles was von ihm über den Krieg geschrieben wurde durchbohrt und aus dem sich sein spezifischer Humanismus gründet. In seiner Prosa existiert keine Verbitterung, keine Schreie aus Hass. Seine beiden wichtigsten Kriegswerke fasst Jovkov in zwei ,1917 und 1918 erschienenen, Bänden „Erzählungen“ zusammen.

Obwohl er später zweimal zum Schlachtensujet zurückkehrt – einmal mit der Novelle „letzte Freude“ (1920) und nach einem Jahrzehnt mit den Erzählungen „Weiße Rosen“, „Kamerad“ und „auf Wache“, erschöpft Jovkov das Thema, bevor der eigentliche Krieg um Bulgarien beendet war.

In gewissem Sinne sind diese letzten Werke eine Bilanz, die Leistungen und Mängel der Periode summierend, während der der Autor wächst und sich als Schriftsteller von nationaler Bedeutung etabliert. Wenn Jovkov mit „letzter Freude“ eine eigenartige Rekapitulation der Kriegsthematik ausarbeitet, kündigt sich mit der Novelle „die Schnitter“ seine Rückkehr zum Sujet und den Problemen des bulgarischen Dorfes an. In seiner Entwicklung als Belletrist ist das der Anfang eines Prozesses, der seine ideelle-ästhetische Welt endgültig formt.

„Letzte Freude“ ist ein Buch am Scheideweg – in dem man das Ende einer Etappe und den Beginn einer Neuen findet.

Während seiner siebenjährigen Abwesenheit von Bulgarien, genau da, im Ausland, bereitet Jovkov seine dauerhafte Anwesenheit im geistigen und literarischen Leben durch die Sammelbände „Die letzte Freude“, „Balkanlegenden“ (1927), „Abende in Antimovs Wirtshaus“ (1928), „Das Herz der Frau“, „Wenn sie sprechen könnten“ (1936) und den Roman „Wirtshaus an der Grenze“, wie auch den unvollendeten Roman „Das Abenteuer von Gorolomov“, die Dramen „Albena“, „Borjana“, „Ein einfacher Mensch“ und durch die Komödie „Der Millionär“.

70 Bücher von Jovkov wurden in über 25 Sprachen übersetzt und seine einzelnen Werke in über 37 Sprachen, darunter arabisch, vietnamesich, chinesisch, französisch, polnisch, finnisch, hindi, schwedisch, japanisch und andere Sprachen

April 29, 2009

Dinev präsentiert Zarev im Literaturhaus

Gespeichert unter: Kunst und Kultur — jmseuss @ 5:24

Hinweis auf eine musikalisch untermalte Lesung des bulgarischen Autors Zarev im Literaturhaus Wien. Wie so oft in letzter Zeit steht dem Schriftsteller Dimitre Dinev zur Seite, der die Lesung moderieren und den deutschen Teil präsentieren wird. Eine Lesung ohne Dinev wäre wie eine Lesung ohne die Brüder Wladigeroff, die für die angemessene musikalische Untermalung sorgen. Bereits einmal durfte ich Zeuge dieser Koexistenz werden, als Dinev den bulgarischen Autor und Verfasser der Kurzgeschichtensammlung „Zirkus Bulgarien“, Dejan Enev, vorstellte und war begeistert von Authentizität und Spannung des Abends. Der Wert bulgarischer Literatur gewinnt enorm, wenn man sie quasi personifiziert sieht. Mag das am Akzent liegen, an der Musik, oder an der Entspanntheit mit der präsentiert wird. Es ist ein dezentes und humoriges Vergnügen.

Vladimir Zarev,

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wurde 1947 in Sofia geboren und hat an der dortigen Universität Philologie studiert. Erstmals erregt er 1972 als Autor aufsehen. Im Lauf der Jahre erlangt Zarev, vor allem durch seinen großen Wenderoman „Verfall“, einige Berühmtheit, auch über die Landesgrenzen hinaus. Während es Literaten zur Zeit des Sozialismus einigermaßen gut ging, wird die Zeit der Wende auch für Zarev persönlich schwierig. Noch 1999 fährt er selbst von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf um Bücher zu verkaufen, die das Überleben der Zeitschrift „Zeitgenosse“, die er heute als Herausgeber leitet, sicherten. Jetzt im Literaturhaus wird Zarev also seinen neuen Roman „Familienbrand“ vorstellen und glaubt man den Rezensionen, so darf man wieder mit einem wortgewaltigen Werk des Vollblutepikers rechnen.

Dimitre Dinev,

ist vor dem Gesetz gesehen kein Bulgare mehr, denn im Jahr 2003 hat er die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Dennoch ist das Leben und das Werk des „österreichischen“ Schriftstellers eng mit seiner Heimat, aus der er 1990 geflohen ist, verknüpft. Mit seinem Roman „Engelszungen“ hat er 2003 den literarischen Durchbruch im deutschsprachigen Raum geschafft. Während Dinev in Österreich hochgeschätzt ist, wird er, und das bereitet ihm selber am meisten Kopfschmerzen, in Bulgarien manchmal fast als „Verräter“ gesehen. Dinev, der 1968 in Plovdiv geboren wurde, ist ein freier Kopf und sich nicht zu schade Zustände in seiner Heimat zu kritisieren. Dass zum Beispiel in Bulgarien kein Autor vom Verkauf seiner Bücher leben kann, lastet er dem System an. Er bleibt auch bei solcher Kritik unverkrampft und versucht nun, sich von Österreich aus für seine schreibenden Landsleute einzusetzen. Nicht nur, dass er Vor- und Nachwörter schreibt, er begleitet sie auch auf ihren Lesungen und nimmt als Moderator, Leser und Interviewer aktiv an diesen teil.

Die Brüder Wladigeroff schließlich,

haben sich, als Nachfahren des großartigen Musikers und Komponisten Pantscho Wladigeroff, vor einigen Jahren entschieden von Wien aus zu wirken. Die meist als Quintett auftretende Band hat den Spagat zwischen virtuosem westlichem Jazz und der Folkloristik ihrer Heimat mit Bravour bestanden. Grade in Wien sind sie inzwischen gern gehörte Gäste und haben sich mit ihrer kraftvollen Musik einen Namen gemacht. Sehr zu empfehlen ist das Debutalbum „Wanderer In Love“ (2007). Neben der rein konzertalen Tätigkeit, findet man die Brüder auch immer da, wo man Dimitre Dinev findet. Sei es am Theater in Dinevs Stück „eine heikle Sache die Seele“ (2008 am Volkstheater Wien aufgeführt),wo die Musiker auch gleich noch Schauspieler sind, oder bei diversen Lesungen, die sie durch ihre melancholische Leichtigkeit immer noch ein wenig zu verschönern wissen.

http://www.myspace.com/wladigeroffbrothersband

Eckdaten der Buchpräsentation von Vladimir Zarev:

wo? – Literaturhaus Wien, Zieglergasse 26A, 1070 Wien

wann? – Dienstag 05.05.2009, 19:30 Uhr

wieviel? – nix

http://www.literaturhaus.at/veranstaltungen/lh/veranst/veranst/2009/05/20090505_1.html

April 20, 2009

Sofia… ein Einstieg

Gespeichert unter: Allgemein, reisen — jmseuss @ 12:50

Ich spaziere gern durch die Straßen von Sofia. Es ist eine verrückte Stadt. Das hört sich wohl auf den ersten Blick etwas abgedroschen an? Ich meine verrückt in diesem Kontext aber nicht im Sinne der Verrücktheit Berlins, Londons oder Paris. Dort ist sie künstlich und künsterlisch aufbereitet, lange gepflegt, in Sofia ist sie ein Naturzustand. Über das bulgarische Chaos habe ich nun schon an mancher Stelle berichtet und in der Hauptstadt verdichtet es sich nochmal ungemein. Sofia ist keine Stadt der langen und verzehrenden Tradition, verzehrt wurde sie in ihrer Geschichte dennoch oft, sei es durch Feuer oder sonstige Kriege, die auf und um ihren Boden geführt wurden. Und auch wenn neuere archeologische Funde darauf hinweisen, dass Sofia mit einer Steinzeitsiedlung von vor 5000 Jahren seinen Anfang nahm und somit zu den ältesten Städten in Europa zählen dürfte, bedeutet das wenig. Anschaulicher ist der Zustand der Stadt am Ende des russisch-türkischen Krieges 1878. Als der russische General Gurko die Stadt am 4. Januar betritt, findet er ein größeres Dorf vor. 20000 Einwohner, die in unbeleuchteten kleinen Häusern leben, krumme Gassen und keine Wasserversorgung. Sofia wird dennoch 1879 zur Hauptstadt Bulgariens erklärt und diesem Umstand verdankt es auch einen schwungvollen Aufschwung. Beinahe alle Bulgaren von Rang und Namen lebten mindestens eine Zeit lang in der Stadt, literarische und künstlerische Zirkel etablierten sich, Sofia wurde nicht nur zum wirtschaftlichen, sondern auch zum geistigen Zentrum des Landes. 1904 wird sowohl die Sofioter Universität, als auch das wichtigste Theater der Stadt, „Ivan Vasov“, gegründet.

Im zweiten Weltkrieg war Bulgarien mehrfach Bombenangriffen der Alliierten ausgeliefert und hat dadurch schwere Zerstörungen erlitten, schließlich 1944 wird ganz Bulgarien vom der Sowjetunion besetzt und nach Installation eines kommunistischen Regimes beginnt der langsame Wiederaufbau. Im Lauf der Jahre steigerte sich die Einwohnerzahl von ehedem 20000 auf heute etwa 1,2 Millionen Menschen.

Sofia heute ist ein Moloch. Ein Ameisenhaufen, ein Wespennest, ein Ort der Unruhe, der Ungleichheit, der Unverschämtheit. Ein Ort, der seine Schönheit gut versteckt, der Schönheit im konventionellen Sinne vielleicht gar nicht besitzt. Natürlich gibt es auch hier Gebäude und Straßenzüge, die ins Auge stechen und es schaffen, einen für einen Augenblick zu betören, dennoch bleibt man anfangs verstört zurück.

Ich empfehle zur ersten Orientierung nicht einfach so durch die Straßen zu laufen, sondern sich in die Nationalgalerie zu begeben.

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Sofias Museum der nationalen Kunst ist ein wunderbarer Ort. Im Gegensatz zu all den Cafés der Stadt in denen sich gut- und weniger betuchte Besucher tummeln, ist dies ein Platz der Ruhe. Kaum drei Interessierte sind gleichzeitig im Museum und man kann zu jeder Zeit davon ausgehen, dass hier mehr Aufseher sind als Kunstliebende. Für mich ist es vor allem auch ein Ort der Geschichte. Verfolgt man das Schaffen der bulgarischen Künster durch die Jahrhunderte, erhält man einen Überblick über Bulgarien, den einem keine Reise durch das heutige Land bieten kann. Ich bin kein großer Kunstkenner und das steht für mich bei diesen Kunstwerken auch nicht im Vordergrund, wichtiger ist mir zu sehen, wie das bulgarische Leben, durch die Brille des Künstlers, sich im Lauf der Zeit verändert hat und, wie wenige Bulgaren Interesse dafür zeigen. Weder meine Frau, noch ihre Freunde können sich an wenigstens einen Besuch in der Nationalgalerie erinnern. Dabei sind hier vor allem Werke aus der so hochgelobten Wiedergeburtszeit ausgestellt. Viele der Maler waren Europäer im besten Sinne, kaum einer der nicht an einer Akademie in München oder Turin gewesen wäre, in Leipzig, Paris oder Berlin. Wohl keine Phase hat die Bulgaren so geprägt wie diese und dennoch… Etwas erinnert es mich an den deutschen Umgang mit dem dritten Reich: es ist immernoch so präsent in unserem Alltag und doch hat es kaum noch Auswirkungen auf diesen. Oder als anderes Beispiel die Religion: wir genießen Feiertage ohne zu wissen, was sie bedeuten. Andere Sachen fesseln unsere Aufmerksamkeit und ich sehe sie, wenn ich durch die hohen Fenster der ruhigen Räume auf die Straße hinunter blicke. Auto um Auto quält sich durch den stockenden Verkehr, riesige Werbeschilder an maroden und teilweise hübsch hergerichteten Stadthäusern, Menschen, die in Geschäfte eilen oder diese mit großen Tüten verlassen. In unserer Zeit ist es schwer inne zu halten, man begreift nicht die Langsamkeit einer anderen Zeit und will sie nicht begreifen, sie hält einen auf und ab.

Kehren wir zurück zu der Stadt Sofia. Sie liegt eingebettet in das Vitosha und das, weiter östlich beginnende, Balkan Gebirge . Der höchste Gipfel des Vitosha, der Tscherni Vrach (über 2000m), ist für Sofia das, was für Berlin der Alex ist, immer sichtbar, überall präsent und ein Orientierungspunkt. Die Stadt ist in den letzten Jahren durch massive Bebauung noch größer geworden. Viele der umliegenden Dörfer gehören heute mit zum Stadtgebiet. Getrennt werden diese von der unsäglichen Ringstraße, auf der sich der Verkehr tagein tagaus staut, auf der Prostituierte ihre Dienste anpreisen, an der unzählige neue Komplexe und Einkaufszentren sprießen, die sich aber noch immer staubig und einspurig um die Stadt quängelt und die eine Fahrt ins Zentrum oft lebensbedrohlich erscheinen lässt. Unglaublich noch immer die Fahrweise der Bulgaren, egal ob mit einem durchgerosteten oder durchgestylten Fahrzeug….schlicht lebensmüde. Seit zwei Jahren wird versucht, diese Straße zu erneuern und genau zwei Kilometer erstrahlen im neuen Glanz. Auch hier das alte Problem: Gelder versickern, Bürokratie hemmt den Bau.

Die Außenbezirke zeigen die ganze Misere des Landes, während auf der einen Seite die Plattenbauten den Begriff der sozialen Gerechtigkeit vergessen lassen, entstehen auf der andern Seite, in den Dörfern, Villen und Luxussupermärkte. Der persönliche Vorteil steht sehr stark im Vordergrund, denn auch um zu so einer Villa zu gelangen müssen die öffentlichen Straßen benutzt werden und die, keiner fühlt sich dafür verantwortlich, sind mit Löchern gepflastert und werden, durch Wasser aus geborstenen Leitungen, weiter ausgehöhlt. Der Porsche Cayenne überholt die Bäuerin mit ihren drei Ziegen auf der Suche nach ein bisschen Gras….Der öffentliche Verkehr funktioniert so weit so gut, ist jedenfalls ein Abenteuer. Es gibt Minibusse, die einen für ein oder zwei Euro ins Stadtzentrum fahren. Diese Minibusse haben zwar eine fixe Linie aber keine Haltestellen, so dass man sie an der Straße wartend, wie ein Taxi abfangen muss. Autobusse und Straßenbahnen gewinnen höchstens noch Preise für Retrodesign, bringen einen aber meist zuverlässig von A nach B.

Es stellt sich ja immer die Frage, wie man eine Stadt kennenlernen möchte. Ich persönlich entscheide mich häufig, sie im Vorbeigehen mitzunehmen. Ich bin auch kein großer Freund von expliziten Stadtbesichtigungen und lasse mich lieber von ungewöhnlichen Bildern und Eindrücken überraschen. Wenn man detaillierte Informationen sucht, dann sollte man sich doch einen Reiseführer besorgen, der einem Geschichte und Besonderheiten z.B. des Ivan Vasov Theaters, der Banja-Baschij- Moschee oder der Alexander-Nevski- Kathedrale, erklärt. Von dieser Warte aus betrachtet, sind sicher auch das archäologische Museum, so wie einige Denkmäler von Interesse.

Ich liebe die Gegensätzlichkeiten von Städten und die offenbart sich mir in Sofia an jeder Straßenecke. Der beeindruckende Bau des NDK, des kommunistischen Kulturzentrums Sofias, ist ein guter Ausganspunkt, um sich in das Zentrum der Stadt zu wagen.

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Das Zentrum Sofias; das sind eine Vielzahl kleiner und großer Straßen, desaströser Bürgersteige, verschiedenster Menschen, Restaurants und Läden, teilweise 24 Stunden geöffnet, das ist das Zigaretten und Schnaps Geschäft, an dem man, will man kaufen, sich beinahe auf den Boden knien muss, das ist die Schneiderei, im Keller, das sind aufgetakelte Boliden beider Geschlechter, das sind Zigeuner, alte Männer und Frauen, die vertrocknende Blumensträuße verkaufen, das sind wilde Hunde, die in Gruppen über die Straßen ziehen und Luxushotels in deren Bars man nur noch Englisch und Französisch hört, das sind vereinzelte Japaner, die hingebungsvoll Straßenschilder anstarren und nicht begreifen, das sind orthodoxe Kirchen, deren Heizsystem in einem Bollerofen besteht, für dessen Abzugsrohr man ein Loch durch eine mit Ikonen bemalte Wand gebrochen hat. Sofia pulsiert, ist beinahe immer staubig, immer anstrengend, immer lebendig. Man kann laufen und laufen und laufen und sich dabei immer neu überraschen lassen. Obst- und Gemüsemärkte, Büchermärkte, Straßenstände, die Socken und Hüte verkaufen, Hochzeitsgesellschaften, Schachspieler, sogar Fahrradfahrer sieht man letztlich vereinzelt ihren gefährlichen Weg bahnen… Sowohl unter Tag als auch in der Nacht gibt es mannigfaltige Möglichkeiten, sich zu unterhalten, Jazz, Alternativ, Klassik, Popfolk.

Wenn ich vom Zentrum spreche, dann meine ich eigentlich das sogenannte Sofia 1000, also der Stadtteil mit dieser Postleitzahl. Er ist in etwa quadratisch angelegt und erstreckt sich, grob gesagt, zwischen den Straßen „Patriarch Evtimi“, „Christo Botev“, „Todor Aleksandrov“, „Zar Osvoboditel“ und „Vasil Levski“. Die Haupteinkaufsstraße ist der „Boulevard Vitosha“ (siehe:http://www.sofia-life.com/map/map.php ). Jedenfalls lohnt es sich, sich einen Stadtplan zu besorgen!!

Im Verlauf werde ich Ihnen einige hilfreiche Tipps geben, sich in Sofia zu bewegen, seien es Hotels, Cafés, Restaurants, Autovermietung, Schlafmöglichkeiten, Veranstaltungen oder was sonst noch benötigt wird.

April 16, 2009

Gesundheitssystem in Bulgarien…ein Erfahrungsbericht

Gespeichert unter: Allgemein — jmseuss @ 5:37

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Nun jährt sich zum dritten Mal ein Ereignis, das mein Leben nachhaltig verändert hat. Auf der Rückreise von Athen nach Sofia hatten meine Frau und ich einen schweren Autounfall.

Allerdings soll hier nicht Thema sein, wie der Unfall mein und das Leben meiner Frau verändert hat, sondern, wie die menschliche und medizinische Nachsorge funktionierte.

Einige Randbemerkungen zum Hergang des Unfalls möchte ich doch noch machen, damit man sich die Situation besser vorstellen kann: Es war also Nacht und seit Stunden ging ein heftiger Regen auf Bulgariens nicht immer gut Straßen nieder. Eine der entstandenen massiven Pfützen wurde uns dann in unserem kleinen Citroen Saxo zum Verhängnis. Aquaplaning machte das Auto in einer Kurve vor der Stadt Pernik unlenkbar, so dass wir beinahe frontal in einen uns entgegenkommenden Kleinbus fuhren. Die Seite meiner Frau wurde erheblich mehr beschädigt, was im doppelten Sinne ein Drama war, denn im Gegensatz zu meinem Platz hatte sie keinen Airbag. Glücklicherweise konnte ich nach einer kurzen Schockstarre und der Versicherung, dass meine Frau lebt aussteigen und habe begonnen ihr zu helfen, so gut es ging. Gleichzeitig, und das sagt schon sehr viel über die Bulgaren, waren wie aus dem Nichts viele andere Fahrer zu unserem Wrack von Auto gekommen und begannen sofort und auf menschlichste Art und Weise uns zu helfen. Die Türe konne aufgebrochen werden und mittels Improvisation begannen wir gemeinsam zu versuchen, die Blutungen meiner Frau zu stoppen.

Schon nach sechs Minuten (!) kam ein Krankenwagen und während meine Frau in ihn transportiert wurde, kramte ich die wichtigsten Dinge wie Pässe und soweiter zusammen.

Ich möchte vorneweg sagen, dass ich im weiteren keinesfalls die Zustände des bulgarischen Gesundheitswesens kritisieren möchte. Ich bin voller Dankbarkeit für die Menschlichkeit und den Anstand, sowie die gezwungenermaßen improvisierte Kompetenz von allen Helfern in der Not.

Der Krankenwagen war eine Katastrophe und das beurteilt jemand, der die deutschen und die schweizer Standards kennt. Das Problem? Er war eigentlich leer. D.h. es gibt keine Halskrause, keine Apparatur, kein Blutdruckmessgerät, nicht mal eine adäquate Decke. Außer einer unbefestigten Bahre, einem rostigen Infusionsständer, Infusionsbesteck und Kochsalzlösung gibt es nichts. Der Wagen selber ist wohl ein Mercedes, allerdings ein altes, im Westen ausgemustertes Modell. Die Fahrt ins wenige Kilometer entfernte Spital von Pernik ist kurz und ruppig, die medizinische Notfallversorgung beschränkt sich auf das Legen einer Infusion und viele gute Worte. Meine Frau ist soweit zu sich gekommen, dass sie die Telefonnummern ihrer Eltern nennen kann und sogar noch in der Lage ist meinen Heiratsantrag anzunehmen. In meiner Erinnerung ist das Krankenhaus in Pernik ein Ameisenhaufen. Meine Frau wird in die Notfallabteilung gebracht. Wer jemals in einer deutschen Notfallstation war, der kann nachfühlen, wie ich mich fühlte. Ein schmutziger und ungepflegter Raum empfängt uns, das offene Fenster kann nur notdürftig kaschieren, dass hier kurz zuvor noch geraucht wurde, das Desinfektionsmittel lagert in alten Colaflaschen, das Besteck ist unsteril, es gibt weder Tupfer noch Einmalnadeln, die Scheren sehen schlimmer aus als bei uns zu Hause in der Küche usw. . Während ich noch immer in Panik bin ist die Stimmung der restlichen Anwesenden, inklusiver meiner Frau, schon ganz vergnügt, man hat erkannt, dass es schlimmer hätte kommen können. Dennoch besteht die Erstversorgung daraus, zusammenzuflicken, was offen steht und ein archaisches Röntgengerät zum Einsatz zu bringen. Ist das nicht zu wenig? Nein, es muss reichen und es reicht. In der Zwischenzeit ist der zukünftige Schwiegervater eingetroffen und kümmert sich um die andere Versorgung, die mit finanziellen Mitteln. Etwas, das ich im Verlauf der Heilungseschichte meiner Frau erkennen werde ist, dass im „bulgarischen System“ ohne Zuwendungen (der diplomatische Ausdruck) nicht nichts aber doch viel weniger geschieht. Noch in der selben Nacht ist der Transport nach Sofia ins Universitätsspital Pirogoff organisiert. Die erste Nacht verbringt meine Frau auf einer Notfallstation, so dass ich sie erst am nächsten Tag wieder besuchen kann. Und hier, im Pirogoff, findet mein Staunen während der nächsten 8-9 Tage der Behadlung kein Ende….mein gesamtes medizinisches Selbstbild wird über den Haufen geworfen.

Die Bettnachbarin meiner Frau ist eine alte Frau, vielleicht an die 80 Jahre, die nach einem Schenkelhalsbruch schon zwei Wochen im Bett liegt, sie wurde nicht einmal mobilisiert, der Physiotherapeut (die Bulgaren nennen ihn Rehabilitator) schafft es kaum mal eine halbe Stunde zu seinen Patienten und wenn jemand nein sagt, dann macht er auch einfach nichts. Die Krankenbetten sind uralt und bewegen sich in keine Richtung, das ganze Gebäude ist uralt und keiner will sich vorstellen hier krank zu liegen. Die Schwestern sind allgemein sehr nett und durchaus kompetent, sind aber bei einem Hungerlohn von etwa nur 90-max. 160 Euro pro Monat mittel motiviert und nicht abgeneigt, medizinische Versorgung nur gegen ein kleines Entgelt zu leisten. Die Betten werden also nicht täglich bezogen (über den Sinn dieser Maßnahme lässt sich zugegebenermaßen streiten, ist aber bei der Gefahr nosomkomialer Infektionen meiner Meinung nach gerechtfertigt) und will man frische Bettwäsche haben, muss man dafür bezahlen. Genauso ist es mit Handtüchern und Waschlappen und sogar kaputte Glühbirnen werden nicht zwangsläufig gewechselt denn manchmal gibt es keine Reserve auf der Station. Es gibt auch keine Hilfsmittel, die ich aus meinem Spital in der Schweiz kenne. Keine Gehhilfen und die Rollstühle wollen nicht rollen. Das Essen wird in großen blauen Plastikeimern von Zimmer zu Zimmer gekarrt. Das Essen ist groteskt und hat mit moderner Spitalskost nichts zu tun, völlig zerkochter Brei, Nudeln mit Zucker und ähnliches…Überhaupt, alles was nur im Entferntesten mit modern zu tun hat ist hier meilenweit entfernt. Generell hatten die Krankenhäuser im Osten meist einen guten Ruf, doch die Zeiten sind vorbei. Verfallen und heruntergekommen sind sie, nicht ausgerüstet mit dem nötigsten, die Belegschaft gnadenlos unterbezahlt, viele Patienten nicht versichert, Leistungen werden unter der Hand abgewickelt, Gerätschaften und Hygiene sind verstaubt.

Und auch die Prognose bleibt schlecht. Zwar gründen sich immer mehr private Kliniken, doch werden diese nicht in der Lage und willens sein, das Gros der Bevölkerung zu versorgen.

Dazu kommt, dass immer mehr gut ausgebildetes Pflegepersonal das Land verlässt um anderswo sein Glück zu finden. Die Situation könnte sich also noch zu einem ausgewachsenen Problem mausern.

April 8, 2009

Schopska Salat, ganz einfach ein Traum…

Gespeichert unter: bulgarische Küche — jmseuss @ 9:54

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Schopska ist der am meisten bekannte und gegessene Salat Bulgariens. Er steht oftmals am Anfang einer Mahlzeit und begleitet diese dann bis zum Ende. Herausragendes Merkmal ist der Geschmack der Zutaten, was auch der Grund dafür ist, dass er hier bei uns im Deutschsprachigen Raum gelingt und anspricht, dennoch selten gleiche Qualität erreicht.

Ich unterscheide zwischen zwei Varianten, der aufwendigeren und der einfachen. Der Unterschied der einen zur anderen liegt in der Verwendung von gebackenen Paprika, die eine gewisse Zeit im Ofen brauchen und dann noch geschält werden müssen. Es ist dennoch keine Zauberei und bietet vor allem die Möglichkeit zu weiteren Gerichten.

Noch ein Wort zum zu verwendenden Gemüse… die Tomaten und Gurken müssen von guter Qualität sein, also am besten vom Markt oder Bio (wobei Bio nicht immer Geschmack bedeutet…). Der Käse ist im deutschsprachigen Raum als „Schafskäse“ oder Feta bekannt. Feta muss nicht gleich Schafskäse sein, sondern besteht sogar meist aus Kuhmilch. Den besten Feta bekommt man meiner Meinung nach in türkischen Läden, wo sogar oft bulgarischer Feta angeboten wird.

Im allgemeinen wird Petersilie benutzt, jedoch nicht alle können etwas mit dieser anfangen, sie ist jedenfalls kein Muss.

So, nun aber zum Salat:

Variante 1:

Tomaten und Gurken im gleichen Verhältnis in nicht zu kleine Stücke schneiden,

eine rote oder weiße Zwiebel schälen und in feine Ringe schneiden, die Zwiebelringe mit Salz bestreuen und mit den Händen zermantschen,

alles in eine Salatschüssel geben,

mit Sonnenblumenöl beträufeln

Salzen (nicht zu viel)

etwas Zitronensaft dazu

und zum Schluß Feta darüber reiben. Fertig.

Variante 2:

Rote Spitzpaprika (Vorsicht: nicht die scharfen) in den, auf höchste Stufe vorgeheizten, Ofen legen und backen bis die Haut schon sehr dunkel, ja fast schwarz wird. Sind die Paprika soweit, dann aus dem Rohr nehmen und sofort in eine Plastiktüte legen und etwas ruhen lassen (10 Minuten). Dann die Haut abziehen und die Kerne im Inneren entfernen. In ca. 1cm große Stücke schneiden.

Den restlichen Salat zubereiten wie oben beschrieben.

Variante 2 schmeckt meiner Meinung nach doch um einiges besser. Was man mit gebackenen Paprika noch so alles zubereiten kann erzähle ich etwas später, es sind aber feine Sachen dabei!

Die Bulgaren selber trinken gerne Rakija zum Salat, das ist ein Schnaps der vornehmlich aus Trauben gebrannt wird. Wenn man ihn in kleinen Dosen genießt, dann kann er eine Bereicherung sein. Rakija läßt sich aber durch jedes andere Getränk ersetzen…

Guten Appetit.

April 6, 2009

OK Supertrans sind „die Guten“, oder Taxifahren in Sofia

Gespeichert unter: Allgemein, reisen — jmseuss @ 7:39

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Gestern las ich, dass ein Angestellter des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF), kaum in Sofia gelandet, schon Opfer eines solchen wurde…

Anlass genug also, um auf das Taxifahren in Bulgarien hinzuweisen. Laut Aussagen meiner Frau ist es Teil der bulgarischen Seele Ausländer zu „verarschen“ und sich dabei zu gefallen. Ich nehme das nicht widerspruchslos hin, denn die Taxler versuchen generell alle reinzulegen, egal ob Aus- oder Inländer.

Bei dem oben angesprochenen Fall ging es also darum, dass der OLAF Mitarbeiter sich vom Sofia Airport ins Zentrum fahren lässt und statt einer zu erwartenden Rechnung von etwa 10 Euro (ca. 20 Lewa und das ist schon großzügig bemessen) satte 50 Euro ( ca. 100 Lewa) auf den Handteller des Fahrers legen musste. Sein Fehler war, dass er statt in ein Taxi der Firma „OK Supertrans“  (http://www.oktaxi.net/cgi-bin/oktaxi.pl?code=main&lang=en) eines des Konkurrenten „OK Superchance“ bestieg. Die Ähnlichkeit des Namens ist ja hier schon mal gegeben, was ich leider nur bildhaft beschreiben kann ist, dass die Taxis auch quasi gleich aussehen, d.h., dass das Logo der beiden zum verwechseln ähnlich ist.

Es ist jetzt so: „OK Supertrans“ (die Guten) haben sich über Jahre hinweg (seit 1993) ein anständiges Image verschafft, die Fahrer sind meist freundlich, meist pünktlich, fahren einen meist wohin man will und bescheissen einen meist NICHT. Der Kilometerpreis (ausgehängt in den Fenstern und vorne am Armaturenbrett) beläuft sich auf 0,60 Lewa pro Kilometer. Durch das sich erarbeitete Renommee hat es „OK Supertrans“ geschafft empfohlen zu werden und zwar nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus. Diese Empfehlung sieht dann so aus: „und wenn du dann am Flughafen ein Taxi nimmst, achte darauf, dass es ein OK Taxi ist, das sind die Guten, die legen Dich nicht rein…“

Das mag sich auch der OLAF Mitarbeiter gedacht haben als er das Gebäude verließ. Reingelegt! Weil, wie wir nun wissen, OK ist nicht gleich OK. „Superchance“ jedenfalls nutzt das gute Image der Konkurrenz gnadenlos aus indem es sich wie ein Chamäleon angleicht, um dann eiskalt zuzuschlagen. 8 Lewa zahlt man hier pro Kilometer (der 13.333333fache Preis). Man kann sich natürlich beschweren allein beim Fahrer wird man auf taube Ohren stoßen, denn, er ist im Recht. Laut Gesetz ist es den Taxiunternehmen freigestellt jeden Preis zu verlangen. Dass das Geschäft durch die Logoangleichung unlauter ist, ist zwar auch dem Ministerium bekannt, doch wie der Verkehrsminister so eloquent formuliert, könne man „da nichts machen“… Na, wahrscheinlich wird das nicht der letzte Stand der Dinge bleiben, vorläufig muss man sich eben mündig verhalten, sich vor der Fahrt die Preise ansehen und sich, sollte man es doch mal falsch erwischen, weiterhin beschweren.

Es wirft natürlich kein gutes Licht auf das Land Bulgarien, wenn das erste was Fremde erleben ein Betrug ist. Es bleibt ja oft auch nicht beim Taxi, sondern auch in Hotels kann es vorkommen, dass man als Ausländer gleich mal das Doppelte zahlt, wofür es absolut keinen Grund gibt, denn auch bei zweifachem Preis wird man nicht besser behandelt. Es ist dann wohl wirklich so, wie meine Frau es ausdrückt, man wird einfach verarscht. Das fühlt sich bekanntlich nicht gut an und man wird sich ein zweites Mal überlegen, ob man sich das nochmal antut. Ich persönlich finde es schlimm und hoffe, dass die bulgarische Gesetzgebung schafft, was die Gerichte bisher versäumt haben (OK Supertrans führt zahlreiche Prozesse). Andererseits darf man nicht vergessen, dass zum Beispiel im schönen Bayern Kunden bis zu zehn Jahre altes Gammelfleisch verzehren durften, das einfach nur wieder neu verpackt und gefärbt wurde….

Betrug gibt es leider überall und das ist schade, Bulgarien ist hier sicher keine Ausnahme, aber das Land auf Betrug zu reduzieren wäre falsch.

P.s.: telephonisch erreichbar ist OK Supertrans übrigens unter der Nummer 973 21 21. Die Mitarbeiter bearbeiten auch Anfragen auf Englisch problemlos.

April 1, 2009

Ivan Vasov…. sein Leben, sein Werk

Gespeichert unter: Kunst und Kultur — jmseuss @ 7:07

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Ivan Vasov war sozusagen der Bulgarische Schriftsteller. Geboren wurde er 1850 in Sopot, gestorben ist er 1921 in Sofia. Außer als Schriftsteller arbeitete Vasov auch als Historiker und Politiker. Heute wird Vasov in Bulgarien als der „Patriarch der bulgarischen Literatur“ angesehen.

Vasovs Familie ist traditionsbewußt. Seine Brüder sind Revolutionäre und auch politisch tätig. Vasov kommt nach dem Besuch einer Klosterschule und einer weiterführenden Schule schnell mit bulgarischer und auch ausländischer Literatur in Kontakt. Im Vordergrund steht zunächst die russische Literatur, sowie bulgarische revolutionäre Texte, später kommt er, inzwischen als Hilfslehrer beschäftigt, auch mit der französischen Literatur in Berührung. Auf Wunsch des Vaters geht Vasov 1866 nach Plovdiv. Auf dem dortigen Gymnasium soll er Griechisch und Türkisch lernen, Vasov widersetzt sich diesem Wunsch und beginnt anstattdessen mit dem Französischen. Im Folgenden studiert er die Poesie der französischen Dichter , Victor Hugo, Alphonse de Lamartin und Pierre-Jean de Bérange. Nach zwei Jahren in Plovdiv wird Vasov zurückgerufen um zuhause die Geschäfte zu übernehmen.

Vasov allerdings kann sich für kaufmännische Tätigkeiten nicht begeistern und so beginnt er bald Gedichte zu schreiben. Er wird dabei von seiner Mutter unterstützt. 1866 kommt es zu seiner ersten Veröffentlichung.

1870 wird Vasov, wierderrum von seinem Vater, nach Rumänien geschickt, um sich dort noch mehr mit der kaufmännischen Tätigkeit vertraut zu machen. Vasov jedoch zieht es von Olteniza weiter nach Braila, wo er rumänisch studiert und sich mit rumänischen Revolutionären auseinandersetzt. Im gleichen Jahr schließt er sich der großen bulgarischen Exilgemeinde in Braila an. Dort trifft er auch Botev, von dem er sich stark beeinflussen lässt.

Vasov nahm an den Treffen der Inneren Revolutionären Organisation und des Bulgarischen Revolutionäres Zentralkomitees (BRZK) in Brăila und Galaţi teil. Das harte Leben der Emigranten und die Treffen der patriotischen Gesellschaften beeinflussten den jungen Dichter und hinterließen tiefe Spuren in seinen literarischen Werken.

Einige seiner späteren Werke, Freiheitskämpfer (bulg. Хъшове; Haschowe), oder die Novelle „Unbeliebt und Heimatlos“ (bulg. Немили-недраги; Nemili-Nedragi), befassen sich mit eben diesem Abschnitt seines Lebens. In diesem Zusammenhang entstand auch sein erstes publiziertes Werk, das Gedicht „Borba“ (bulg. Борба, ‚Kampf‘), das in der Exilzeitschrift „Periodische Zeitschrift der Bulgarischen Literarischen Gemeinschaft in Brăila herausgegeben wurde.

Im Zeitraum von 1872 bis 1873 kehrte Ivan Vasov in das weiterhin von den Osmanen besetzte Bulgarien zurück und arbeitete als Lehrer

Während dieser Zeit bekommt er Einblicke in die Lebensweise der einfachen bulgarischen Bauern, vor allem das der Schopen. 1875 kehrte er in seine Heimatstadt zurück und schloss sich dem im selben Jahr gegründeten Sopoter Revolutionären Komitee an, welches Teil der Inneren Revolutionären Organisation war und gegen die türkische Herrschaft kämpfte.

Nach der blutigen Niederschlagung des Stara-Sagora-Aufstandes von 1875 geriet Vasov in Gefahr. Er emigrierte illegal in das ihm vertraute Rumänien und ließ sich in Bukarest nieder.

Am 5. Oktober 1880 geht Vasov nach Plowdiw, der Hauptstadt Ostrumeliens.. Hier nahm Vasov als Mitglied der prorussischen Volkspartei aktiv am politischen Alltag der unter türkischer Herrschaft stehenden bulgarischen Sonderprovinz teil. Er wurde als Abgeordneter in das Provinzparlament (bulg. Областното събрание) gewählt und Redakteur der parteinahen Zeitungen Mariza.

1885 gründete Vasov, gemeinsam mit dem Schriftsteller Konstantin Welitschkow, die erste reine Literaturzeitschrift Bulgariens, die Zeitschrift Sora (bulg. „Зора“; ‘Morgenröte’).

Während seiner Zeit in Plowdiw schrieb Vasov einige seiner Klassiker wie „Epopöe der Vergessenen“ (bulg. Епопея на забравените), die Gedichte „Die Bulgarische Sprache“ (bulg. „Българският език“), „Auf zur Freiheit“ (bulg. „Към свободата“), die Gedichtsammlung „Sliwnitza“ (bulg. „Сливница“), die Novellen „Unbeliebt und Heimatlos“ (bulg. Немили-недраги; Nemili-Nedragi) und „Die Onkels“ (bulg. „Чичовци“), die Erzählung „Kommt es?“ (bulg. „Иде ли?“) u. a. Einige dieser Werke bilden die Grundlage der bulgarische Literatur in vielen Genres nach der Befreiung vom Türkischen Joch.

Vasov flüchtete vor den Repressionen der Interimsregierung Stambolows im Sommer 1886 über Konstantinopel in das damals zu Russland gehörige Odessa. Während seines Aufenthaltes in Odessa (1886–1889) schrieb Vasov sein Werk „Unter dem Joch“ (bulg. Под игото).

1889 kehrte Vasov nach Bulgarien zurück und ließ sich in Sofia nieder. 1890 gründete er die Zeitschrift „Denniza“ (bulg. „Денница“). In dieser Zeit schrieb er einen Großteil seiner kritisch-realistischen Erzählungen, die er in zwei Bänden unter den Titel „Kratzer und Striche“ (bulg. „Драски и шарки“) zusammenfasste. Im Jahre 1895 während den Feiern zum 25-Jährigen Jubiläum seiner literarischen Tätigkeit veröffentlichte er seinen Roman „Neues Land“ (bulg. Нова земя). Gekränkt von der breiten negativen Kritik über diesen Roman legte er das Schreiben für einige Jahren nieder. In diesem Zusammenhang wird auch seine erneute politische Aktivität erklärt.

1897 wurde Iwan Vasov zum Bildungsminister ernannt.

Vom Leben ab diesem Zeitpunkt bis zu seinem Tod 1921 ist mir momentan zu wenig bekannt.. ich werde das recherchieren und nachtragen. Versprochen!

März 30, 2009

Reise in ein unbekanntes Land…. (Schlußakt,leider)

Gespeichert unter: reisen — jmseuss @ 4:08

Die fünfte und letzte Etappe unserer Reise schafft es und läßt diesen Bulgarienurlaub zu einem für mein Leben unvergesslichen Ereignis werden.

Von Veliko Tarnovo trampen wir in Richtung des Kapinovski Klosters.

Bekannt war es uns von den Erzählungen des weniger sympathischen Deutschen, den wir vor langer langer Zeit in Stara Zagora getroffen hatten. Die Fahrt war luftig und so unsere Gedanken, die Landschaft voller spätherbstlicher Farben und Gefühle. Der Trabant mit dem Bauersehepaar weiß genau was er will – heim in den Stall. Wie ein alter Klepper schleift er sich geräuschvoll durch die Kurven. Die Bauersleut sind mal wieder so typisch, so gesund sind ihre faltigen Gesichter, so rot die Wangen und so schwarz die Hände. Sie verstehen uns nicht und scheinen uns trotzdem gern zu haben, das sehe ich daran, wie sie ständig verschämt lächelnd nach hinten zu uns blicken. Und auch ich mag sie und ihre ehrliche Art.

Schließlich findet unsere kleine Romanze ein Ende und wir werden am Dorfplatz ausgelassen. Ich kann heute leider nicht mehr mit Sicherheit sagen, welches Dorf sich um den öden Platz herum aufbaute, ich weiss nur, dass es sich etwa zwei bis drei Kilometer vom Kloster entfernt befinden musste, denn bis wir es erreichten liefen wir wohl eine halbe Stunde durch ansprechende Natur. Wälder und Hügel so weit das Auge reicht. Kurz bevor wir das Kloster erreichen, treffen wir auch schon den ersten Mönch. Ehrwürdig einherschreitend, die braune Kutte von einem derben Seil zusammengehalten, knochig und sehnig, das karge Gesicht von einem graumelierten Bart gerahmt, langsam, weise und ehrfurchteinflößend…. zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass er eigentlich der einzige Mönch war. An seinen Namen mag ich mich nicht mehr erinnern, er hieß aber wohl Barnabas oder so. Er beginnt sofort mit der Unterweisung, während er uns zum Kloster begleitet und seinen knorrigen Stock bei jedem Schritt bedächtig auf dem Boden absetzt. Er zeigt uns die alte, umwucherte Römerstraße, nennt uns die Namen der Hügel , zeigt uns das ehemalige Gasthaus, das momentan auch von nur einem Bulgaren bewohnt und wieder auf Vordermann gebracht werden solle (wir werden ihn noch kennenlernen, diesen Freak…).

Das Kloster ist ungeheuer schöne. Klein, einige Teile sind alt und verfallen, andere schon neu hergerichtet. Größtenteils ist es schmucklos, keine offenen Malereien, weiß die Wände von alten mächtigen Holzbalken durchzogen, ein rostrotes Ziegeldach, das über die Galerie im ersten Stock lappt und es so wellenförmig vor jedem Unwetter schützt.

Wenn ich also erzähle, es hätte nur einen Mönch im Kloster gegeben und nun aber zugebe, dass dennoch zwei Menschen hier wohnten, dann bleibt doch die Frage offen, wer dieser Zweite war? Es ist Michail und er ist kein Mann, er ist kein Mensch, er ist ein Bär.

Vor kurzem habe ich „unter dem Joch“ von Ivan Vasov gelesen, ein Buch der Wiedergeburtszeit, in dem sich der Autor mit dem verlorenen Aprilaufstand 1876 befasst. Ein Protagonist ist Borimetschka. Mein Mönchsanwärter Michail hat diesem Borimetschka ein Gesicht gegeben. Der gutmütige Hüne, der für Freundschaft einen Feind mit zwei Fingern zerquetschen könnnte, bei dem aber keine Spur von Bosheit zu finden ist. Er tötete eine Schlange mit bloßen Händen, erlegte ein Wildschwein auf die gleiche Weise und doch zeugen seine Augen von einer Reinheit, die ich selten zuvor und danach wiederfinden durfte. Überhöhe ich ihn, trickse ich meine eigene Erinnerung aus, wenn ich sage, er sei mindestens zwei Meter groß gewesen, hätte einen Bart wie der Vater von Ronja Räubertochter gehabt? Ah, auch das ist ein guter Vergleich… wie hieß der nochmal? Matthis?

Welche Gegensätze waren das doch und doch sollten der Mönch und sein Anwärter noch so einige Gemeinsamkeiten aufweisen.

Wir bekommen unsere Unterkunft zugewiesen. Sie liegt im hergerichteten Teil und besticht durch Einfachkeit und Sauberkeit. Das Zimmer ist groß, hat ein hölzernes Doppelbett, die Dielen sind abgezogen, die Wände weiß getüncht. Wir fühlen uns sofort wohl und schaffen es nicht, die sieben Euro pro Nacht zu bereuen.

Nach einer angemessenen Ruhepause und einer wohltuenden Dusche, der Abend neigt sich bereits, werden wir in ein Kellergewölbe geladen, in dem wir auch die nächsten drei Abende verbringen sollten. Es ist sehr urtümlich hier unten, ein roher Holztisch, an dem eine ganze Garnison Platz finden würde ist bäuerlich gedeckt, der große offene Kamin, der auch als Herd herhält könnte noch original aus dem Mittelalter stammen, ein von verbranntem Fett schwarzer Rost ist an Ketten in ihm aufgehängt. Darauf Fleisch, dampfende Berge von Fleisch, Hühnchenkeulen und andere Sorten, wir fragen ob das besagte Wildschwein nun auch seine letzte Bestimmung gefunden hat. Hat es nicht… Auf dem Tisch steht der ewige Schopskasalat und dicke Scheiben Weißbrot türmen sich in einer ehemals weiss emaillierten Schüssel. Schnaps und Wein stehen in massiven Flaschen. Kein Junge könnte sich seine Räuberhöhle gemütlicher ausgemalt haben, als es mir dieser Klosterkeller vorlebte. Beim essen (das Fleisch ist halb roh, aber es müsse so sein sagt unser Mönch) entwickeln sich sofort Streitgespräche zwischen den beiden, die Figuren in einem Roman sein müssten. Und unser Mönch? Wie hatte er sich doch verändert… statt der ehrwürdigen Kutte trug er nun ein Militär Outfit vom feinsten. Ich bin mir sicher, in den Wäldern da draußen wäre er in seiner Tarnung sicher gewesen wie ein Chamäleon.

Streiten, essen, trinken oh ja, wer mich kennt der weiß, dass mir das Spaß machen MUSS!! Und je mehr die beiden trinken, desto ausgelassener wird die Stimmung, es wird begonnen zu singen, orthodoxe Gesänge werden angestimmt und geschmettert mit Inbrunst und ein ganz kleines bisschen falsch, aber…zweistimmig. Die Stimmen gehen uns durch Mark und Bein, andächtig sitzen wir auf der Bank und lauschen, bis auch das durch einen nächsten Streit beendet wird. Wir verstehen inzwischen nicht mehr wirklich, worum es geht, aber es scheint der Inhalt eines der Lieder gewesen zu sein. Eine falsche Zeile? Ein falscher Ton? Vielleicht auch nur ein unordentlicher Bartstoppel, es könnte die Fliege gewesen sein, die kurz vorher im fünf Kilometer entfernten Brunnen gestorben ist….

Der nächste Tag verläuft entspannt. Wir spazieren die alte Römerstraße entlang, die uns, sanft ansteigend, in die Hügelwelt rund um Elena führt. Die Luft ist genial und der Herbst scheint noch ferner als im Rilagebirge, die Sonnenstrahlen schaffen es noch uns zum schwitzen zu bringen. Kein Mensch kreuzt unseren Weg, nur ein auf der Straße zermatschter Maulwurf schafft es auf ein Photo unsrer Kamera. Wohlig müde kommen wir zurück und ergeben uns dem selben Programm wie abends zuvor.

Mit einem mächtigen Kopf legen wir uns spät zu Bett und staunen deshalb nicht übel, als am nächsten Morgen bereits um neun Uhr an unsere Tür gehämmert wird. Es muss etwas vorgefallen sein. Klar…es wird Schnaps gebrannt, was auch sonst… Wir stehen also auf. Es bleibt gar nichts anderes mehr übrig, die Aufgeregtheit hat sich auf uns übertragen. Das Schnapskammerl liegt wenig hinter dem Kloster. Man erkennt es schon von weitem an dem Qualm der aus ihm aufsteigt. Ein blauer, giftiger, brennender Rauch. Der Vorgang ist im vollen Prozeß und wir sind Teil davon. Natürlich müssen wir die Destille begutachten. Also Tür auf und hinein in das ätzende Gebräu. Die Augen brennen wie Feuer und erst nach kurzer Zeit erkennen wir die Maschine hinter diesem Vorhang. Ein aus Rohren und Gläsern zusammengebasteltes Ding, labyrinthartig, verwunschen, Kessel, Spiralen, dazwischen Rost und Feuer. Die Geräusche geben einen Ausblick auf die nahende Explosion, auf die Apokalypse. Ich muss den Raum mehrmals wieder verlassen und betreten, weil ich sonst eine Rauchvergiftung hätte. Am Ende der Kette aus Unwahrscheinlich- und Unmöglichkeiten steht ein blauer zehn Liter Plastikkanister in dem eine durchsichtige Flüssigkeit, in dünnem Strahl, aufgefangen wird. Plastikbecher werden verteilt und unser Protest hat keine Chance…. nicht in den wildesten Zeiten meiner Jugend habe ich morgens um halb zehn Schnaps getrunken… es schmeckt scheußlich, auch wenn wir das so nie sagen würden. Einfach scheußlich. Der Tag ist gelaufen. Wir spazieren mit Michail, der den Schnaps später in bauchige Flaschen abfüllen und zur Zierde noch den Ast von wildem Wein hinzustecken wird, zum ehemaligen Wirtshaus. Da geht es weiter mit Bier. Der einzige Bewohner, Pächter oder was weiß ich was der war, war ein Rocker vom Feinsten, den ganzen Tag Bier trinken und am Motorrad schrauben, dazu AC/DC in voller Lautstärke und ein Traum. Er wollte den Gasthof parallel zum Kloster ausbauen um hier einst Touristen empfangen zu können, eigentlich seien ihm aber auch seine Rockerkollegen recht, denn wenn Biker aus der ganzen Welt seinen neu aufgebauten Campingplatz bevölkerten, dann bedeute ihm das alles Glück der Welt. Ich weiß nicht ob er je geschafft hat, was er sich vornahm, ich nehme an…nein.

Wie gesagt, der Tag war gelaufen… Der nächst Morgen war Mittag und frisch, die Sonne scheint und lädt uns ein auf einen Spaziergang ins nächstgelegene Dorf. Wir haben halb rohes Fleisch satt und versprechen unseren Herbergsvätern am Abend das kochen zu übernehmen, es drängt uns nach Gemüse!

Wir kommen zur Mittagszeit im Dorf an und erleben gleich eine bizarre Situation. Wie schon einige Tage vorher scheint kein Mensch mehr hier zu leben. Das Rathaus ist ein hässlicher, einstöckiger Block, an jeder seiner vier Ecken sind gewaltige Lautsprecher angebracht und die beschallen den Platz mit Volksmusik, dazwischen Reden von denen wir nichts verstehen. Haben hier einmal die Leute stramm gestanden bei Ansprachen des Bürgermeisters, oder von Todor Shivkov? Wurden hier Fünfjahrespläne in den Äther entlassen, die Menschen zur gemeinsamen Arbeit auf dem Feld gerufen? Eines steht fest, heute hört dem keiner mehr zu außer einem einsamen Bronzekopf, der mitten auf dem Platz auf einer schmutzigen Statue steht und sich auch nicht mehr wehren kann. Wie satt muss er diese Musik haben, wie müssem ihm die Reden widerlich scheinen. Wir machen es uns gemütlich bis endlich die ersten Rolladen eines Geschäftes hochgekrempelt werden. Wir kaufen das typische und wunderbare bulgarische Gemüse, das wir für unser Ratatouille brauchen werden und treten den Rückweg an. Noch bevor wir uns ans kochen machen, werden wir noch in die kleine Kapelle des Klosters geführt. Es ist sein Herzstück und so wird es auch behandelt. Unser Mönch ist so andächtig, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte, berührt und zart berührt er die Wände, betrachtet er die uralten und verwitterten Ikonen, um dann uns das Feld zu überlassen. Er zieht sich ehrfürchtig in den Hintergrund zurück. Tatsächlich ist dies kleine Kapelle für mich grade wegen seiner Reaktion so besonders. Angelegt ist sie rund und der Weg vom Boden bis zur Kuppel beträgt gute zehn Meter. Gestaltet ist sie unwahrscheinlich einfach, aber genau das macht auch ihren Charme aus. Hier wirkt nichts gekünstelt, es gibt keine barocken Engerl, die Ikonen sind fast bis zur Unkenntlichkeit verblasst und dennoch ziehen sie mich in ihren Bann. Es riecht nach Weihrauch. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht, wenn dann ist es Sache des Gespürs…und das sagte mir nach einiger Zeit auch, dass es Zeit zu kochen wäre.

Es sollte ein herrliches Ratatouille werden, allein bei unseren Wirten fand es wenig gefallen, zu wenig Fleisch meinten sie, zu wenig roh, zu wenig verbrannt….some things you can never change!

Es wird Zeit zurückzukehren. Unser Flug geht in nur zwei Tagen und so machen wir uns auf den Weg, verabschieden uns langsam von Bulgarien. Indem wir mit dem Zug zurück nach Varna reisen, lassen wir all die Bilder Revue passieren, versuchen wir unsere Gedanken zu ordnen und uns einzustellen, auf das, was uns nun zu Hause erwarten wird.

Am Ende wird es noch knapp mit der Zeit, in letzter Sekunde erreichten wir einen Minibus, der uns grade rechtzeitig zum Flughafen kutschiert. Mit letzter Kraft besteigen wir unser Flugzeug und heben ab.

Ich bin dankbar, weil ich diese Reise nie vergessen werde, weil ich durch sie ein Land kennengelernt habe, das mich mit seiner Authentizität überrascht und begeistert hat, in das ich mich verliebt habe. Dankbar bleibe ich für die Erinnerung, die das Beschreiben der Reise in mir hervorgerufen hat und dankbar bleibe ich auch Dir gegenüber, Nora, Du warst ein prächtiger Kompagnon, ohne den es zu erleben nicht halb so viel Spaß gemacht hätte!

März 25, 2009

Reise in ein unbekanntes Land…(Teil 4)

Gespeichert unter: reisen — jmseuss @ 10:48

Wir verabschiedeten uns von Bulgariens südlichen Gefilden und je weiter uns die Reise gen Norden brachte, desto weiter schritt auch der Oktober dahin, je höher wir in die Berge kamen, desto kälter wurde es. Vor allem als wir tiefer ins Rilagebirge kamen und uns der erste Schnee überraschte, war an Nächte im Zelt kaum noch zu denken. Glücklicherweise gelangten wir nun an einen Ort, der vielleicht der meistbesuchte in ganz Bulgarien ist, an dem man also davon ausgehen konnte, ein Hotel zu finden – das hochberühmte Rilakloster.

Es liegt mitten in den Bergen und Tälern des Rilagebirges und wirkt von aussen eher wie eine Trutzburg als wie ein Kloster. Innen erweckt das Kloster einen verspielten Eindruck, der sich durch die bunten Ziegelsteine, die Malereien und die, den Hof bewohnenden, Tiere (meist Schafe) noch verstärkt.

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Die Gründung des Rilaklosters lässt sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen und seine Geschichte ist reich an Höhen und Tiefen. Manifest ist jedoch seine Rolle als geistig-kulturelles Zentrum vor allem während der Zeit der Belagerung durch das Osmanische Reich. Hier, in einem der größten orthodoxen Klöster überhaupt, wurden Schriften und Bücher gesammelt, die den Menschen in ihrem Kampf um die Unabhängigkeit immer wieder Mut und Kraft spenden sollten.

1833 brannte das Kloster aus, wurde in den folgenden Jahren aber wieder aufgebaut und ist seit kurzem auch in dem Katalog der Weltkulturerben der UNESCO aufgenommen worden.

Ob seiner Berühmtheit liegt es auf der Hand, dass das Rilakloster immer einer tumultartigen Ansammlung von Touristen ausgeliefert ist. Ich nehme an diese sind auch der Grund dafür, dass die wenigen Mönche, die man durch die Gänge huschen sieht derart schlechtgelaunt wirken, wie man es in Bulgarien selten trifft. Die Möglichkeit der Nächtigung im Kloster schlagen wir aus – es ist einfach zu teuer (?!). Na man weiß ja, dass die Kirche es versteht Kapital zu schlagen und so ziehen wir weiter, um uns einen Schlafplatz zu suchen. Etwas weiter oben und hinter den Bäumen versteckt liegt ein sehr großes Hotel. Der Weg dorthin ist steinig und trotz der wenigen Besucher gepflastert mit Verkäufern, die vom heiligen Wasser der letzten Tage bis zu Wollmützen alles verhökern, was man sich nur wünschen kann. Das Hotel selber ist nicht grade das, was man billig nennt und versprüht dennoch seinen Charme gleich in der Eingangshalle. Der Raum ist monumental hoch und die Decke von Löchern zersiebt durch die Kabel und Stahlbetonteile fast bis zum Portier hängen, der unsere ungläubigen Blicke ganz im Sinne eines Nobelportiers ignoriert und uns den Schlüssel für ein Zimmer im fünften Stock aushändigt. Vergnügt betreten wir den Aufzug und lachen, weil er doch tatsächlich Anstalten macht nach Oben zu fahren… Als wir im Fünften aussteigen begrüßen uns Plastikplanen statt Türen, aufgerissene Wände, leere Räume und zwei Zigarettenrauchende Arbeiter. Das gesamte Stockwerk ist eine Baustelle, der Edelportier schaut uns fast angewiedert an, als wir ihm das mitteilen, ganz nach dem Motto: „das hättet ihr aber auch gleich sagen können.“

Das nächste uns zugewiesene Zimmer kann seine Tür nicht schließen und die Badewanne (?!) hat keinen Stöpsel. Weil es eiskalt ist, beschließen wir einen zu basteln. Der hält sogar, kann aber nichts daran ändern, dass das Wasser höchstens lauwarm und trotzdem rostig aus dem Hahn rinnt. Wir verstehen den Preis als Spende und hoffen, dass nachfolgende Generationen in diesem, zugegebenermaßen wunderschön gelegenem, Hotel angenehmere Nächte verbringen werden.

Das Abendessen besteht aus dem was zu kriegen ist, nicht aus dem was wir wollen; es ist das, was ich damals, nichtsahnend, eine „Fettsuppe“ taufte, die aus schlabberigem alten Fett, Milch, Öl, in Essig eigelegtem Knoblauch und Chili besteht. Die Frage drängte sich auf, ob der Koch wußte was er tat, als er die letzten verbliebenen Lebensmittel seiner bestimmt gigantischen Küche zusammemischte. Neben einem wohlbegründeten Eckel, empfand ich dennoch etwas wie Wohlwollen gegenüber diesem Druidengebräu und mit ein zwei Schnäppes hinterließ es tatsächlich eine Wärme, die uns die Badewanne nicht hat geben können.

Heute einige Jahre später und reicher an Erfahrung, bin ich ein großer Fan der „Fettsuppe“, die eigentlich aus Kutteln besteht und vor allem nach nächtlichen Trinkgelagen ein guter Freund sein kann. Ihr Name: Schkembe.

Am nächsten Tag, ausgelaugt von einer weiteren Erinnerung an ein doch immens chaotisches Bulgarien, kaufen wir auf dem Rückweg doch noch eine weiße Mütze aus Schafswolle (wo die nur heute ist?).

Dann besteigen wir, mit einer Fahrkarte nach Veliko Tarnovo ausgestattet, den Zug. Dieser bringt uns zunächst nach Sofia, wo wir eine spannende Nacht im Bahnhofsbistro verbringen, surreal wie in einem alten Film die Gestalten, die kommen und gehen. Unter meiner neuen Mütze war es dennoch gemütlich. Gegen Morgen kaufen wir Proviant und setzen uns erneut in den schmutzigen Zug. Der Zug erinnert mich an meine Kindheit in den 60ger Jahren, die ich nicht hatte… Ein kleines Picknick hat fatale Folgen für meine Gesundheit. Nachdem mir ein kleines Stück Salami auf den Boden gefallen war, ich es freilich wieder aufhob, gründlich reinigte um es dann mit Genuß zu verzehren, dauert es keine fünf Minuten, bis mir Speiübel wird und ich den Spei nichtmals bis zur Toilette halten kann und so mit zusehen muss, wie er sich über die Zugtür ergießt… Zum Glück läßt sich die Tür problemlos bei voller Fahrt öffnen, so dass ich, gut deutsch, sofort wieder aufräumen und meinen schweren Kopf danach noch locker in die eiskalte Zugluft halten kann. Der Schlaf der folgt ist tief, so dass ich, als wir in Veliko Tarnovo ankommen schon wieder bei Kräften bin. Es war ein kurzes aber kräftiges Gift.

Veliko Tarnovo ist mir von damals als die schönste bulgarische Stadt in Erinnerung. Leider war ich seitdem nicht mehr dort, kann also nicht sagen, wie es sich seither entwickelt hat.

Würde mich jemand nach einem Vergleich fragen, dann würde ich antworten Veliko Tarnovo sei das bulgarische Heidelberg oder Freiburg. Eine aufgeräumte kleine Studentenstadt, wunderschön gelegen, nicht arm und sogar frage ich mich, warum die Kommunisten hier vergessen haben ihre unglaublichen architektonischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen?

Vielleicht hatte Veliko Tarnovo aber auch einfach nur Glück.

Die Straßen schlängeln sich wohlwollend dahin, kleine Geschäfte versprühen eine Gemütlichkeit, die man sonst im neokapitalistischen Bulgarien selten findet, die Verkäufer bieten an statt aufzudrängen, die Cafés wirken einladend, die Menschen die die Einladung angenommen haben, sind stilsicherer und wirken freier als auch schon. Auf drei Hügeln gelegen macht es uns Freude, die Stadt per pedes zu erkunden, die Kirchen, die Festung und die verwinkelte Altstadt mit unseren Augen zu streifen. Wirklich ein schöner Ort und Ausgangspunkt zu unserem nächsten und dem in meinen Augen schönsten, auch fast schon dem letzten Abenteuer unserer kleinen Bulgarienreise: das Kloster Kapinovski.

März 16, 2009

Barroso lobt

Gespeichert unter: Politik & Geschichte — jmseuss @ 9:21

Laut einem Bericht des bulgarischen Wirtschaftsblatts, ist der Präsident der Europäischen Kommission Jose Manuel Barroso voll des Lobes für die vortschreitenden Entwicklungen Bulgariens, speziell auch unter der Federführung des Premierministers Sergeij Stanischev. Barroso hebt vor allem dessen Bereitschaft zu Reformen sowie zu einer koordinierten europäischen Antwort auf die weltweite Krise hervor. Bulgarien werde, wie andere Osteuropäische Staaten auch, Unterstützung von der EU erhalten. Es handle sich dabei um Vorauszahlungen der Kohäsionsprogramme (ca. 580 Mio. Euro), die dem Land Sicherheit in der Krise geben sollen. Ein weiterer Punkt, der in Barrosos Rede einzug fand, sind die Energiesicherheit. So wird Bulgarien weitere Gelder (ca. 50 Mio. Euro) erhalten, um das Gasnetz zu Griechenland und zu Rumänien auszubauen und zu stabilisieren. Eine Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Kozloduj hingegen hält Barroso, glücklicherweise, für nicht realistisch.

Barroso hält sich an die Regeln zielgerichteter Kommunikation, indem er den positiven Punkten das negative Feedback folgen läßt. Dem mutmachenden Zwischenbericht der EK zum Thema der organisierten Kriminalität in Bulgarien, möchten nun doch bitte Anklagen, Verfahren und Urteile, am besten bis in die Spitzen des Beamtentums und der organisierten Kriminalität folgen. Er, Barroso, wäre glücklich, erste Ergebnisse bis zum Sommer präsentiert zu bekommen.

Gut gemacht Herr Barroso, Bulgarien wird im Sinne der EU langsam aber sicher gezähmt.

März 14, 2009

Tarator (таратор) – kalte Joghurt-Gurken Suppe

Gespeichert unter: bulgarische Küche — jmseuss @ 8:26

Grade rechtzeitig zum langersehnten langsamen Einzug des Frühlings kommt hier das Rezept einer der besten, leichtbekömmlichsten Suppen, die es für die warme Jahreszeit überhaupt nur geben kann. Dabei ist sie in ihrer Zubereitung denkbar einfach.

Man nehme als Zutaten Joghurt, Gurken, Dill, Walnüsse, Knoblauch,  Olivenöl, Salz und Pfeffer.

Dabei kommt einzig der Auswahl des Joghurts einige Bedeutung zu. Bulgarien ist berühmt für seinen einzigartigen Joghurt (lactobacillus bulgaricus). Da wir diesen bei uns leider selten bekommen, empfehle ich anstattdessen türkischen der Marke Ömür. Den gibt es praktischerweise beim Türken im 1l Eimer zu kaufen und das ist genau die Menge, die man für 4 Personen braucht.

Also:

den (1L) Joghurt in eine Schüssel geben

1 Gurke schälen, in kleine Stücke schneiden und dazu,

1 Bund Dill feinhacken und dazu,

2 kleine Knoblauchzehen pressen und dazu,

1 EL Olivenöl darüberträufeln,

100 gr Walnüsse grob zerkleinern und dazu.

Die Mischung nun mit Wasser auf suppige Konsistenz aufmischen, mit Salz und Pfeffer würzen. Fertig.

Geniale Suppe, erfrischend und wohltuend. Bon Appetit!

Bulgarische Küche…ein Überblick

Gespeichert unter: bulgarische Küche — jmseuss @ 8:03

Die Bulgarische Küche ist weniger für Feinschmecker gedacht, als zur Befriedigung kulinarischer Grundbedürfnisse, die dennoch bekömmlich und schmackhaft sind.

Wie auch in vielen anderen Bereichen wurde Bulgariens Küche stark von seinen Nachbarn, allen voran den Türken beeinflusst. Letztlich haben sich zwar asiatische, oder auch italienische Restaurants in Bulgarien etablieren können, doch bis sie der heimischen Küche Konkurrenz machen könnten, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Im Vordergrund stehen frische Zutaten und jeder der selbst gern ißt und/oder Freude am Kochen hat weiß, dass damit schon mal gar nichts mehr schiefgehen kann. Allen voran das Gemüse in Bulgarien ist einfach ein grandioses Geschmackserlebnis, wer hier Gurken gekostet hat, wer hier eine Tomate gesehen und gerochen hat, der ist zu beneiden. So verwundert es auch wenig, wenn beinahe jeder Mahlzeit ein ordentlicher Salat zur Seite gestellt ist, auch wenn dieser wiederrum nicht wie bei uns von stillem Evian, sondern von ordentlich gebranntem Rakija begleitet wird. Schnaps zum Salat? Jaaaaaaaa, es ist ein Genuß. Dabei aber bitte immer die Gastfreundschaft im Auge behalten und, diplomatisch, die für einen erträgliche Menge an Alkoholika. Wenn man das nicht kann, dann ist man einfach zu schnell betrunken. Man kann durchaus nein sagen. Und auch wenn man das Gefühl hat, nicht gehört zu werden, ist es im Endeffekt für alle bekömmlicher, man läßt sich Zeit.

Aber von vorne: in der bulgarischen Küche ist beinahe alles „typisch“. Und so kann ein typisches Essen aussehen…

Mir persönlich gefällt immer sehr gut ein spezielles Gewürzsalz. Man nimmt ein Stück Brot (typischerweise) Weißbrot und taucht es in eine gemeinsame Schale. Es ist ein ganz eigener aber durchaus eingänlicher Geschmack, der Lust auf mehr macht. S alate gibt es viele, wobei auch Salat genannt wird, was für uns keiner ist, einfach alles, was nicht gekocht ist. Der bekannteste und sicher auch feinste ist der Schopska-Salat. Aber auch der sogenannte Schneewittchensalat oder diverse Paprika und Auberginenformen finden als Salat Eingang.

Bei den Suppen halten sich die Bulgaren an einige wenige. Es gibt eigentlich drei Hauptsuppen, eine Hühnersuppe, eine kalte Jogurth-Gurken Suppe und eine aus Kutteln und Milch, die einem Kater gut einheizt.

Bei den Hauptspeisen herrschen gegrilltes Fleisch und Eintopfgerichte vor. Das Fleisch wird auf verschiedenste Arten zubereitet, entweder als Filet (mariniert oder nicht, Schwein, Kalb, Huhn), oder aber als Schisch (Spieß), in seiner häufigsten Form als Köfte und Kebabche (vergleichbar unseren Fleischpflanzerln, nur in anderer Form und leicht modellierter Rezeptur).

Im allgemeinen läßt sich sagen, dass ein Mahl in Bulgarien nie nur aus Suppe, Hauptspeise und Dessert besteht. Der Gast wird von einer Vielfalt beglückt und man sollte es nicht versäumen etwas von allem zu probieren.

Wie auch bei uns ist es üblich, zu verschiedenen Feiertagen unterschiedliche Gerichte zu servieren, eine ungrade Zahl an Vegetarischen am Vorabend zu Weihnachten (24.12), Lamm und feiner Hefekuchen zu Ostern usw.. . Klassiker sind das bereits genannte Lamm, gefüllte Weinblätter, Schneewittchensalat, frische Waldpilze in Butter, Wassermelonen und vieles mehr.

Das Frühstück wird eher vernachlässigt, die Hauptmahlzeit wird generell am Abend eingenommen.

Die Lebensmittelpreise steigen auch in Bulgarien, dennoch ist es immernoch erschwinglich, gut essen zu gehen, mit 10 Euro kann man es sich inklusive Getränke sehr gut gehen lassen. Wenn man etwas mehr zu zahlen bereit ist, dann kann man ausgezeichnete Küche und Weine verkosten.

Neben einem bulgarischen Restaurant im 5. Wiener Gemeindebezirk (vernachlässigbar), gibt es im 4. Bezirk ein gut sortiertes bulgarisches Weingeschäft (Rüdigergasse).

Im Folgenden werde ich immer wieder Rezepte einfließen lassen, die ich selber erprobt habe und bei denen meiner Meinung nach nichts schief gehen kann. Viele Gerichte eignen sich ausgezeichnet für Gäste, die unkonventionell genug sind, mal was neues zu testen.

März 13, 2009

Reise in ein unbekanntes Land…(Teil 3)

Gespeichert unter: reisen — jmseuss @ 11:05

Weiter geht es von Siroka Laka per Anhalter und ich wage zu behaupten, je ungewaschener, desto authentischer… Aber da ich ein reinlicher Mensch bin , war ich dennoch froh, das unser nächstes Ziel, Dospat, an einem See liegt, der sich auf der Karte ausnimmt wie eine Schlange, die grade ein Schaf verspeist hat. Hätte ich die Karte unter unromantischeren Standpunkten betrachtet, dann wäre mir vielleicht aufgefallen, dass der See aus dem Fluss Dospat entsteht und in den Fluss Dospat mündet, ein Stausee also…. Wer mich etwas kennt, der weiß, was ich von Stauseen halte und das ist, um es milde auszudrücken, nichts! Im Gegenteil finde ich, dass diese künstlichen Seen immer einen gespenstischen Eindruck hinterlassen, dem ich mich nicht entziehen kann.

Na, wir wissen davon ja noch nichts und auch nicht von den anderen Unannehmlichkeiten, die uns erwarten sollten… Zunächst sitzen wir bei einem angesoffenen Lehrer im Auto, der definitiv mit depressiver Symptomatik ausgestattet ist, darüber hinaus aber auch einige Worte Deutsch beherrscht, die er schüchtern einsetzt um uns zu erklären, dass ein Cousin von ihm in Mannheim in einem Autowerk gearbeitet hat.

Hätte ich zu dieser Zeit gewusst, dass sich auf halbem Weg zwischen Siroka Laka und Dospat das berühmte Trigrad befindet, dann wären wir der Weltuntergangsstimmungsunterhaltung mit dem armen Schatz vielleicht entkommen. Trigrad ist ein richtiges Kuhdorf am Ende einer Piste, die die Bulgaren gerne Straße nennen, und hat es in letzter Zeit zu erstaunlicher Berühmtheit gebracht. Hier im wilden Grenzgebiet zur Türkei befindet sich die Drachenschlucht und die Drachenhöhle…vielleicht beginnt auch nur eines von beiden mit Drachen, jedenfalls ist es spektakulär (ich hab es jetzt nachgeschaut, keines fängt mit Drachen an… hier ein einigermaßen gelungener link: http://www.motoroads.com/deutsch/ferien-hoehlen-touren-bulgarien.html). Die Erlebnisse die ich hier hatte, gehören allerdings nicht so sehr in die ferne, als in die nähere Vergangenheit, ein andern Mal also mehr davon.

Kehren wir nun unserem angesoffenen Lehrer und der Fahrt nach Dospat zu. Nach ermüdenden Kilometern in einer alten Blechschüssel kamen wir in Dospat an und wurden gleich in die hiesige Gesellschaft eingeführt. Es mag in der Natur der Sache liegen, dass diese mindestens ebenso, wenn nicht sogar noch etwas betrunkener als unser Lehrer war.

Dospat soll heute ein blühendes Örtchen sein, mit Kurhotel und Brimborium, damals war es das nicht. Ein ätzender Ort an einem ätzenden Stausee mit liebenswerten aber alkoholisierten Menschen. Die Stimmung wurde immer depressiver und verdichtete sich in der schweigsamen Erkenntnis, dass ich als Auszubildender der Krankenpflege im zweiten Lehrjahr mehr verdiene als der Lehrer nach 20jähriger Berufstätigkeit… es war Zeit Abschied zu nehmen. Wir wanderten noch einige Kilometer und stellten unser Zelt am Seeufer auf. Bricht erst einmal der Abend an, steht das Zelt auf seinen vier Füßen und wärmt ein kleines Feuer die müden Glieder, dann ist sogar ein Gewässer wider die Natur zu ertragen. Trotzdem beschlossen wir schon am nächsten Tag weiter zu reisen. Der Bus sollte so gegen 10 Uhr aus der Stadt fahren und unser Ziel war es ihn zu erreichen. Am nächsten Morgen und kalt im See gewaschen waren wir pünktlich wie die Deutschen (und das obwohl wir Bayern sind…) um 10 Uhr an der Abfahrtsstelle. Und man mag es glauben oder nicht, der Bus war weg. Er kam mit Verfrühung und dachte wohl niemals daran zu warten. Worauf auch… wahrscheinlich ging es dem Busfahrer wie uns, Dospat, so schnell wie möglich weg! Das war auch weiterhin unser Bestreben und so studierten wir die Fahrtabelle. Zu unserer Überraschung und sogar Erheiterung durften wir feststellen, dass der nächste Bus in zwei Tagen kommen würde. In zwei Tagen…? Bulgarien hatte uns bis hier her schon viele Erinnerungen geschenkt und doch hat sich mir die nun folgende zynische Trostlosigkeit eingebrannt.. zwischen mir und meiner Frau gibt es inzwischen schon einen passenden Dialog für Momente, in denen man nicht genau weiß, woher und wohin: „Fahr doch nach Dospat.“ „Ja genau, nach Dospat, da wollt ich wirklich schon lang mal wieder hin…“ Das tragische ist, es fährt auch kein Auto, man kann so lang man will den Daumen in die kühle Herbstluft halten, es ist ja niemand da. Auch die schlammigen Straßen sind wie leergefegt und der einzige Bekannte, den wir beim Spaziergang über die brökelnde Staumauer treffen ist ein Straßenköter, der uns verfolgt und den wir schließlich aus Sorge um unser tollwutfreies Leben mit einem dicken Knüppel und Geschrei verscheuchen. Der arme Tropf, der wollte wahrscheinlich auch nur etwas Liebe in dieser öden Gegend. Schließlich, nach einer weiteren Nacht in der Villa der Jugend, gelang es uns doch noch ein Auto zu stoppen. Wir sagen Dospat ohne Groll Adieu und freuen uns auf das nächste Abenteuer.

Um ehrlich zu sein geht es vorläufig ruhig und schön weiter, sehr schön sogar.

Über die Stadt Goce Delcev geht es weiter nach Melnik der – die Bulgaren referieren gerne über Melnik – kleinsten Stadt der Welt. Und es stimmt ja auch, wie kann denn ein Ort, der von etwa 400 Bauern besiedelt wird eine Stadt sein? Das Städtchen hat eine bewegte Geschichte hinter sich und tatsächlich haben hier einmal mehr als 20000 Menschen, unter verschiedenen Herrschern, gelebt und gearbeitet, man beschäftigte sich mit dem Handel (vor allem mit dem schweren roten Wein aus der Melnik-Traube), war Hochburg des Widerstandes gegen die Türken, gehörte zu Griechenland und schließlich fiel die Stadt dem Feuer zum Opfer. Heute ist Melnik eine Touristenhochburg und am Besten in der Nebensaison zu besuchen, wenn die Ortsansässigen zwar auch nur scharf aufs Geld sind, aber etwas weniger penetrant. Außerdem kann man sich die Gegend frei von herumwuselnden Mittouristen ansehen und das lohnt sich. Melnik liegt eingebettet in merkwürdige Sandsteintransformationen, die wie Pilze aus dem Boden schießen, die sich auftürmen und im gleichen Moment zusammenzufallen drohen. Ich fühle mich erinnert an die riesigen Erruptionen eines Vulkans, die mitten im Fallen zum stehen gekommen sind.

Wir haben am Ortseingang ein privates Quartier bezogen, von hier aus läuf man, auf einem urtümlichen Weg, nur etwa zehn Minuten

zu den ersten Bergen. Wir machen unterwegs noch halt im örtlichen Museum und brauchen trotz Besichtigung desselben auch nicht länger als eine halbe Stunde. Ein schmaler, sandiger Pfad führt uns mitten hinein in diese irreale Welt, es ist heiß und staubig, das Tageslicht wandelt sich, als trüge man eine gelbgetönte Brille, die spärliche und trocken harte Vegetation bietet keinen Schatten unter dem es sich zu ruhen lohnte. Also weiter bergauf… der Anstieg ist steil aber sogar für den weniger sportlichen Seuß machbar und erreicht man den oberen Rand setzen zweierlei Gefühle ein. Erstens das Glückgefühl, es geschafft zu haben und zweitens ungläubiges Staunen über das, was sich mir nun bietet. Wir befinden uns auf einem Plateau mit schier wahnsinnigem Ausblick, einer Weite, die sich der endlos scheinende Horizont in seinen besten Tagen ausgedacht haben muss, Himmel über Himmel und darunter Landschaft von solcher Schönheit, dass man an eine gestalterische Kraft glauben muss! Eingebettet liegt zu unseren Füßen ein kleines Kloster. Es ist mit Sicherheit das Schönste, was ich je gesehen habe (Rozhen Kloster). Ich mag mich nur noch hinsetzen und schauen. Alleine der Blick reicht, um Ruhe einkehren zu lassen. Vergleicht man diesen mit den Bildern die wir hierher mitgebracht haben, (Berlin, Hamburg…..), dann gewinnt der Ausdruck „Zivilisation“ einen perversen Beigeschmack. Was sehen wir dort und was hier, was ist authentischer? Ist es unsere Welt zu Hause, in der jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, oder ist es das hier, das uns ein Leben unabhängig von unserer Existenz zeigt? Wer gaukelt wem was vor?

Selbst die Tiere hier oben sind unaufgeregt und die Ziegen, Schafe, Hühner und der gähnende Hund scheinen uns aufzufordern, uns für die Störung ihrer Ruhe zu rechtfertigen. Auf leisen Sohlen betrachten wir das Kloster und kehren glücklich zurück zu den grimmigen Wirten von Melnik.

März 8, 2009

Christo Botev – Dichter, Revolutionär, Nationalheld

Gespeichert unter: Kunst und Kultur — jmseuss @ 1:34

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Christo Botev (Христо Ботев) wurde 1848 in Kalofer, einem kleinen zentralbulgarischen Ort im Departement Plovdiv geboren und sollte im Verlauf seines Lebens und bis in die heutige Zeit eine der größten bulgarischen Persönlichkeiten werden.

Kalofer war, wie andere kleine Dörfer, ein Dreh- und Angelpunkt der verschiedenen revolutionären und intelektuellen Entwicklungen vor und während der bulgarischen Wiedergeburtszeit (Ende des 18. Jhd-1877/78). Botev gilt heute als DER bulgarische Nationaldichter. Mindestens genauso entscheidend aber ist, dass Botev eben nicht nur Dichter, sondern gleichzeitig auch Revolutionär war.

Als Sohn des Lehrers Botjo Petkov aufgewachsen, der übrigens auch einen anderen bulgarischen Helden, Ivan Vasov, unterrichtete, wurde Christo Botev in Kalofer großgezogen. 1863 wird er von seinem Vater nach Odessa geschickt, um dort Studien aufzunehmen. Schon zu Beginn dieser Zeit läßt er sich von den russischen Dichtern seiner Zeit stark beeinflussen. Er scheint im Verlauf durch seinen freien und unbändigen Geist mehr auf- als zu gefallen, so dass er die Schule ohne Abschluß verlassen muss. Schon bald unternimmt er erste Schritte auf dem literarischen, wie dem revolutionären Parkett. Durch das Zusammentreffen mit russischen und polnischen Revolutionären gewinnt sein politisches Profil an Schärfe.

Zurück in Bulgarien ersetzt er zeitweise seinen erkrankten Vater als Lehrer in Kalofer, muss die Stadt aber, nach einer öffentlichen Rede gegen das Osmanische Reich, verlassen. Wegen Geldmangels kann er sich die Reise nach Odessa nicht leisten und fährt anstattdessen nach Rumänien, wo er fortan vor allem in Braila leben wird. Rumänien beherbergt eine Menge bulgarischer Exilanten, unter ihnen viele revolutionäre und so scheint es auch nicht verwunderlich, dass Botev hier auf einen seiner wichtigsten Weggefährten, Vassil Levski, treffen soll.

Ab 1871 fungiert er als Herausgeber der Zeitschrift „Wort der Bulgarischen Emigranten“, in der er auch seine frühe Prosa veröffentlicht. Ein weiterer wichtiger Schritt in seinem Leben ist die Tätigkeit als Schreiber bei der Zeitung „Freiheit“, die von Luben Karavelov, wie Botev selber Schriftsteller und Revolutionär, herausgegeben wird. Die beiden verbindet von nun an eine feste Freundschaft, die dann jedoch schlagartig durch den Tod Vasil Levskis eine Kehre erfährt. Levski war zu diesem Zeitpunkt, wir sprechen vom Jahr 1973, der unangefochtene Führer der bulgarischen Revolutionsbewegung. Durch seine Gefangennahme durch die türkische Autorität und seinen Tod, erleidet die Bewegung einen Schock und spaltet sich in zwei Fraktionen. Botev entscheidet sich für eine Weiterführung des Kampfes an der Seite von Stambolov, während Karavelov die gemäßigteren Revolutionäre anführt. Doch Karavelov kommt mit der ganzen Situation nicht zurecht, er befindet sich in einer Art Revolutionsstarre und die Fäden gleiten ihm langsam aus der Hand, so dass er sich Anfang 1875 von der Spitze der Organisation zurückzieht. Als neuer Präsident wird Botev gewählt, der der Meinung ist, ein Aufstand in Bulgarien sei ohne weitere vorsichtige Maßnahmen möglich. Diese Annahme war falsch, wie uns der Septemberaufstand von Stara Zagora 1875 zeigt.

Doch bereits 1876 waren die Exilbulgaren von Rumänien der Ansicht, der Kampf würde weitergehen. Zum Verhängnis sollte ihnen die falsche Einschätzung der Lage in Bulgarien werden. Zwar hatten sie Recht mit der Annahme, dass ein weiterer Aufstand bevorstand, doch konnten sie nicht ahnen, dass dieser (Aprilaufstand von 1976) nur regionale Brände auslöste. Voller Hoffnung auf Befreiung beschließt also Botev mit einer Schar entschlossener, sich auf den Weg in die Heimat zu machen und entscheidend in den Kampf einzugreifen. Im Mai betraten, an verschiedenen Stellen, als Gärtner verkleidete Revolutionäre den österreichisch-ungarischen Dampfer Radetzky und kaperten ihn. Botev hält eine rührende Rede über Sinn und Zweck der Piraterie, mit der er es schafft, den Kapitän, Dagobert Engländer, auf seine Seite zu ziehen und ihnen zu helfen. Auf bulgarischer Seite der Donau angekommen, Küssen Botev und seine Kumpanen effektvoll den Heimatboden und beginnnen, sich verteilt auf zwei Gruppen, ins Land zu verteilen. Doch sie hatten nicht mit der noch immer anhaltenden Stärke der türkischen Armee gerechnet und finden außerdem keine Zeichen des erwarteten Aufstandes. Schließlich wird Botevs Gruppe in den Kampf gezogen und er selber fällt durch die Kugel eines türkischen Scharfschützen.

In seinem literarischen Schaffen war Botev stets darum bemüht, die Gefühle der armen und unterdrückten Menschen zu reflektieren. Im Vordergrund stand aber vor allem auch der Ausdruck revolutionärer und demokratischer Aussagen. Seine bevorzugte Form war das Gedicht.


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Originaltitel Transliteration Übersetzung
Майце си Maytze si An meine Mutter
Към брата си Kam brata si An meinen Bruder
Елегия Elegia Elegie
Делба Delba Division
До моето първо либе Do moeto parvo libe An meine erste Liebe
На прощаване в 1868 г. Na proshtavane v 1868 Zum Abschied 1868
Хайдути Hayduti Haiducken
Пристанала Pristanala durchgebrannt
Борба Borba Kampf
Странник Strannik Fremder
Ней Ney An Sie
Патриот Patriot Patriot
Послание (на св. Търновски) Poslanie (na sveti Tarnovski) Epistle (to the Bishop of Tarnovo)
Хаджи Димитър Hadzhi Dimitar Hadzhi Dimitar
В механата V mehanata Im Wirtshaus
Моята молитва Moyata molitva Mein Gebet
Зададе се облак темен Zadade se oblak temen Eine dunkle Wolke zieht auf
Обесването на Васил Левски Obesvaneto na Vasil Levski Das gehängt werden von Vasil Levski
Защо не съм…? Zashto ne sam…? Warum bin ich nicht…?
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